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Psychotherapie vs. Psychologisches Coaching!

von 8. Juni 2022 Juni 9th, 2022 2 Kommentare
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Psychotherapie vs. Psychologisches Coaching – Was ist eigentlich der Unterschied?

Immer wieder werde ich von Klientinnen gefragt: Was der Unterschied zwischen Coaching und Psychotherapie? Und was ist besser? Das sind Fragen, die ich nicht kurz und knapp mit zwei Sätzen beantworten kann, deshalb habe ich jetzt einen Blogartikel dazu geschrieben.

Was ist psychologisches Coaching?

Beim Coaching geht es immer darum: Ich habe ein Ziel, weiß aber nicht, wie ich es erreichen kann! Früher wurde der Kutscher Coach genannt, denn er kennt den Weg. Genau darum geht es beim Coaching: Der Coachee möchte von A nach B, und kennt den Weg nicht oder weiß nicht welchen Weg er nehmen soll. Und der Coach hilft ihm dabei, seinen Weg zu finden.

Die Ziele beim psychologischen Coaching sind oft: Ich möchte glücklicher sein, ich möchte gelassener werden oder ich möchte besser mit Stress umgehen können! Daran wird im psychologischen Coaching gearbeitet.

Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie ist nicht gleich Psychotherapie. Wir haben hier einmal die psychotherapeutische Begleitung für Menschen mit schweren psychischen Diagnosen, z.B. Schizophrene, schwere Depressionen mit Wahnvorstellung und Suizidgedanken, bipolare Störungen und Psychosen. Hier sind wir im klinischen Bereich, die oft medikamentös therapiert werden muss. Von dieser Form der psychotherapeutischen Begleitung spreche ich in diesem Artikel ausdrücklich nicht. Es war mir aber der Vollständigkeit halber wichtig, das zu erwähnen. Außerdem haben viele dieses Bild von Psychotherapie in ihrem Kopf. Daher kommen auch die Sprüche wie: Psychotherapie ist nur was für Verrückte!

Ich spreche in diesem Artikel über den anderen Bereich der Psychotherapie. Nämlich die psychotherapeutische Begleitung für psychisch gesunde Menschen oder Menschen mit „leichteren“ Diagnosen, wie z.B. eine leichte depressive Episode, Erschöpfungssyndrom oder Anpassungsstörung. Psychisch gesunde Menschen suchen oft Unterstützung, weil sie gerade in einer Krise stecken, eine Herausforderung meistern müssen oder unzufrieden sind, ohne dass es einen offensichtlichen Grund dafür gibt. Sie möchten ihre Situation ändern, aber wissen nicht wie.

Die Klienten kommen also auch in der Psychotherapie mit einem Ziel und es geht natürlich darum, dieses Ziel zu erreichen. Aber der Ansatz ist ganz anders als im Coaching. Die Frage ist nicht „Was ist der Weg zum Ziel“, sondern „Was hat mich auf diesen Weg gebracht, und wie kann ich das verändern“. In der psychotherapeutischen Arbeit geht es darum, die Muster, die unter unserem Verhalten und unter unserem Denken, Fühlen und Handeln liegen, zu erkennen. Und diese auf einer tieferen Ebene zu verändern.

Was ist der konkrete Unterschied zwischen psychologischem Coaching und Psychotherapie?

Der größte Unterschied ist, dass beim Coaching immer im Hier und Jetzt gearbeitet wird, mit dem Ziel vor Augen. Es wird kein Bezug zur Vergangenheit hergestellt, es wird kein Bezug zur Lebensgeschichte oder zu alten Erfahrungen und Erlebnissen hergestellt. Da ist das Ziel und da wollen wir hin, was können wir JETZT und in Zukunft tun, um dieses Ziel zu erreichen?

In der Psychotherapie ist das grundlegend anders, denn hier schauen wir: Warum ist es überhaupt so gekommen? Was in der Lebensgeschichte, was in den frühen Prägungen und Erfahrungen hat dazu geführt, dass es so ist. Es geht darum, was ist in der Vergangenheit passiert, was direkten Einfluss auf das Leben heute hat. Und natürlich darum, das für die Zukunft positiv zu verändern.

Ein weiterer Unterschied ist, dass der Coach dich auf deinem Weg begleitet, indem er dir Fragen stellt. Der Coach ist überzeugt davon, dass du die Antworten in dir hast und dir mit den richtigen Fragen hilft, die Antworten zu finden. Er bringt keine eigene Meinung, Ideen oder Inspirationen ins Coaching ein.

Was ist besser – psychologisches Coaching oder Psychotherapie?

Ich bin großer Fan der Psychotherapie! Warum? Weil ich nicht glaube, dass „nur“ ein Weg, um das Ziel zu erreichen, eine langfristige und nachhaltige Veränderung bewirkt. Aber genauso halte ich es für wenig hilfreich, einfach ständig in der Vergangenheit herumzustochern, ohne nach machbaren Lösungen zu suchen.

Ich bin überzeugt davon, dass es beides braucht: Einmal das Verständnis, warum es so ist, wie es ist. Und die Wertschätzung dafür, dass es so ist wie es ist. Dann die tiefere Arbeit, bei der die alten Muster, Glaubenssätze und Prägungen verändert werden. Als nächster wichtiger Schritt kommt der Coaching-Aspekt: Es werden Lösungen und Wege für die Zukunft erarbeitet.

Und was ist jetzt das Richtige für mich? Psychotherapie oder psychologisches Coaching?

Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten, denn es kommt natürlich auf deine Situation an und darauf, was du dir wünschst.

Wenn du eine bestimmte Sache, ein isoliertes Thema, für dich klären und lösen möchtest, dann kann das psychologische Coaching das Richtige für dich sein. Zum Beispiel: Ich möchte bei Dates selbstsicherer sein. Aber oft stecken hinter diesen scheinbar isolierten Themen („Ich bin nur bei Dates unsicher, sonst bin ich total selbstbewusst“) doch komplexe Psychodynamiken. Wenn du das isolierte Thema, in dem Fall die Selbstsicherheit bei Dates, bearbeiten möchtest, kannst du das wunderbar im Coaching tun. Wenn du die Dynamiken dahinter verstehen und auflösen möchtest, dann ist die Psychotherapie das Richtige für dich.

Wenn du ganz klar sagst: Ich möchte keinen Bezug zu meiner Lebensgeschichte herstellen. Ich möchte nichts über meine Muster und Prägungen wissen und die Vergangenheit nicht anschauen. Ich will nur mein Ziel erreichen, dann ist das psychologische Coaching perfekt für dich!

Wenn du…

  • dir tiefgreifende Veränderung wünschst und sich in deinem Leben etwas grundlegend verändern soll,
  • dich selbst besser verstehen und kennenlernen möchtest,
  • alte Muster und Glaubenssätze erkennen und auflösen möchtest,

dann bist du in der Psychotherapie richtig aufgehoben.

Beides kann unglaublich wertvoll und bereichernd sein, es kommt wirklich in erster Linie drauf an, was dein Ziel ist und wie du es erreichen möchtest.

Beratung gibt es ja auch noch – was ist das dann?

Stimmt, es gibt auch noch Beratung. Beratung wird in ganz unterschiedlichen Bereichen angeboten und natürlich gibt es auch psychologische Beratung. Was der generelle Unterschied zwischen Coaching und Beratung ist, dazu hat meine liebe Blogger-Kollegin Dina Mazzotti einen spannenden Artikel geschrieben. Klick einfach hier und du kommst direkt zu Dina’s Artikel.

Zusatz-Info

Vielleicht hast du dich über die ein oder andere Aussage gewundert, die ich über das Coaching geschrieben habe. Deshalb die Info: Ich weiß, dass es viele Coaches gibt, die anders arbeiten, als ich es beschrieben habe. Wie immer, ist natürlich viel Auslegungssache. Deshalb ist es oft total okay, vertretbar und vor allem auch für den Coachee dienlich, wenn Coaches anders arbeiten. Allerdings erlebe ich auch immer wieder, dass Dinge im Coaching bearbeitet werden, die da nicht hingehören, sondern die in einen längeren therapeutischen Prozess eingebettet werden müssen. Dieser Artikel soll dir hier als eine Orientierung dienen, was für dich und deine Situation das Richtige ist.

Egal für welche Arbeit du dich entscheidest, sei auf jeden Fall achtsam bei deiner Entscheidung und höre auf dein Bauchgefühl. Das Bauchgefühl weiß ziemlich genau, ob das die richtige Person für dich ist. Egal ob Psychotherapeut oder Coach.

Wie ich arbeite:

In meiner Praxis und in meinen 1:1 Sitzungen arbeite ich psychotherapeutisch, außer es wird ausdrücklich Coaching verlangt.

Meine Onlinekurse und Online-Workshops sind eine Mischung: Es geht tiefer als im Coaching. Aber es ist kein klassischer psychotherapeutischer Prozess.

Du bist gerade in einer herausfordernden Situation und weißt nicht so genau, was für dich besser ist? Dann buche dir hier ein unverbindliches, kostenfreies Erkenntnis-Coaching. Darin sprechen wir über deine Situation und über deine nächsten Schritte.

Du hast Lust auf mehr? Hier sind meine Blog-Artikel der letzten Wochen:

Grenzen setzen – warum fällt uns das so schwer

Mein Weg zum psychologischen Online-Coach

Ich habe alles und bin trotzdem unglücklich

Mein 12. Mai in Bildern

Über die Autorin: Rosina Geltinger

Ich liebe es die Wege der Seele zu ergründen. Davon bin ich schon seit vielen Jahren fasziniert. Ich finde es unglaublich spannend zu sehen, welche kreativen Wege unsere Seele findet, um uns an unsere Themen liebevoll heranzuführen.

Der Schlüssel zum Glück liegt immer in uns. Davon bin ich überzeugt. Je tiefer und besser wir uns selbst kennen, verstehen und annehmen, desto glücklicher und zufriedener können wir sein.

Dazu arbeitet ich seit vielen Jahren mit meinen Klienten online und offline in meiner Praxis in München.

Auf meinem Blog schreibe ich zu den Themen Selbstwertgefühl, Lebensfreude und innere Ruhe.

Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie, holistische Psycho-Kinesiologin, Kursleiterin für Entspannungsverfahren. Mehr über mich erfährst Du hier.

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