GefühlsweltUnzufriedenheit

Ich habe alles und bin trotzdem unglücklich – warum geht’s nur mir so?

von 18. Mai 2022 Juli 1st, 2022 keine Kommentare

„Ich bin unzufrieden und unglücklich, obwohl ich eigentlich alles habe. Und während ich das ausspreche, habe ich das Gefühl, dass ich mich gar nicht so fühlen dürfte. Das ist jammern auf hohem Niveau. Ich hab das Gefühl, es geht nur mir so. Alle anderen scheinen das Leben in vollen Zügen zu genießen – nur ich kann das scheinbar nicht.“

So beginnt ganz häufig ein Erstgespräch. Und am Ende dieses Erstgesprächs kommen dann die Fragen: Wie bekomme ich das weg? Rosina, hast du Erfahrung damit: Kriegen wir das wieder hin? Schaffen wir das? Und warum geht’s eigentlich nur mir so schlecht? Was ist falsch mit mir?

Das ist, vereinfacht dargestellt, der typische Verlauf eines Erstgesprächs. Und immer wieder taucht die Frage auf: Warum geht’s nur mir so? Alle sind glücklich und zufrieden. Alle, außer mir!

Stopp!

Das stimmt nicht! Es geht sehr vielen Menschen so wie dir. Von den 400 Frauen, mit denen ich in den letzten Jahren gearbeitet habe, hatten die meisten dasselbe Gefühl.

Das ist keine große Überraschung! Wer spricht schon offen darüber, wenn es ihnen nicht gut geht. Die meisten machen es mit sich aus, oder sie sprechen nur mit einer engen Freundin oder mit ihrer Therapeutin darüber. Keiner hängt es an die große Glocke oder plakatiert die Litfaßsäule mit „Hey, schau mal her: Ich hab zwar alles und bin trotzdem unglücklich“! Ganz im Gegenteil, auf Litfaßsäulen findest du glückliche Menschen, die unglaublich gut aussehen, wahnsinnig erfolgreich sind und die nichts aus der Bahn werfen kann. Das ist dann gleich noch frustrierender und hat mit der Realität wenig zu tun.

Es ist leider normal, dass wir nicht offen über „unangenehme“ Gefühle, über emotionale Durchhänger und darüber, dass man zwar alles hat und trotzdem unglücklich ist, spricht. Weil das normal ist, ziehen wir uns eher zurück, wenn es uns so geht. Vielleicht schämen wir uns sogar dafür, machen uns Vorwürfe und haben das Gefühl, dass irgendwas mit uns falsch ist.

Genau deshalb liegt mir dieser Artikel so am Herzen, denn das muss sich ganz dringend ändern!

Diese Gefühle gehören genauso zum Leben wie Lebensfreude, Zufriedenheit und Glücklich sein. Und wir sollten uns genauso offen darüber unterhalten können. Diese „negativen“ Gefühle dürfen genauso da sein, wie alle anderen auch. Und noch eine wichtige Randbemerkung: Auch wenn du im Moment den Grund für dein unglücklich sein nicht kennst: Es gibt immer einen Grund!

Zurück zum Thema: Bist du alleine mit diesen Gefühlen? Nein! Ist es an der Zeit, da was zu ändern? Oh ja, ganz dringend sogar!

Deshalb ist mein Appell an alle:

Wir sollten alle so schnell wie möglich damit anfangen, mehr über unsere Gefühle zu sprechen. Über alle Gefühle und vor allem über unsere (vermeintlich) negativen Gefühle wie Unzufriedenheit, unglücklich sein, Traurigkeit, Wut, Scham und Schuld.

Warum wir offen über unsere Gefühle reden sollten? Dafür gibt’s mehrere, wirklich gute, Gründe:

1. Reden entlastet!

Wenn wir über das sprechen, was uns bewegt, dann ist es gleich weniger schlimm. Darüber zu sprechen, entlastet uns. Am besten suchst du dir einen Gesprächspartner, von dem du weißt, dass er empathisch, liebevoll und wertschätzend reagieren wird. Ich weiß nicht, ob das Prinzip von „geteiltes Leid ist halbes Leid“ dahintersteckt, aber ich weiß sicher, dass darüber sprechen hilft.

2. Du ermutigst andere!

Wenn wir offen über das sprechen, was uns bewegt, ermutigen wir auch unsere Mitmenschen, offener über das zu sprechen, was sie bewegt. Vielleicht haben sie ähnliche Probleme wie wir oder ganz andere. Vollkommen egal, denn wir beginnen uns darüber auszutauschen. Und in dem Moment beginnt ein Miteinander, Verständnis und Mitgefühl. Und genau das brauchen wir in so turbulenten Zeiten wie im Moment am dringendsten. Dialog, Ehrlichkeit und Verständnis. Ach, und übrigens: Wir erkennen spätestens dann, dass es nicht nur uns so geht!

3. Offenheit schafft Verbindung

Das hört sich jetzt vielleicht paradox an. Denn genau das ist oft der Grund warum wir nicht erzählen, wie es in uns aussieht: Wir haben Angst als „schwach“ dazustehen und deswegen nicht mehr gemocht zu werden. Ich habe in den letzten Jahren so oft erlebt, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Wenn wir offen mit unseren Gefühlen umgehen, dann können unsere Mitmenschen uns viel besser einschätzen, verstehen und mitfühlen. Dadurch entsteht mehr Miteinander, mehr Vertrauen und mehr Bindung. 

4. Du schaffst Vertrauen

Diffuse Botschaften verwirren und rufen Misstrauen hervor. Wenn wir unglücklich und unzufrieden sind, aber nicht darüber sprechen, ist das ganz blöd für unser Gegenüber. Wir versuchen, unsere echten Gefühle zu überspielen, aber das klappt nicht. Und das merkt die Anderen. Denn das Überspielen gelingt nur auf einer oberflächlichen Ebene. Unbewusst werden ganz andere Botschaften gesendet. Oberflächlich sage ich: Mir geht’s gut! Und unbewusst schwingt ein „Das stimmt ja gar nicht“ mit. Das Gegenüber bekommt beides mit, eine Botschaft bewusst, die andere unbewusst. Das Ergebnis ist große Verwirrung und ein komisches Gefühl im Bauch.

Wenn du aber über deine Gefühle redest, dann erzeugt das automatisch ein gutes Gefühl und Vertrauen, denn die Botschaften, die bewusst und unbewusst geschickt werden, passen zusammen!

5. Du trägst aktiv zum Weltfrieden bei! (Das ist mein ernst!)

Das klingt dramatisch, aber davon bin ich überzeugt! Wenn wir damit anfangen, über unsere innersten Gefühle zu reden, zu reflektieren und unsere Verletzlichkeit zu zeigen, dann müssen wir unsere Wut und Enttäuschungen nicht mehr auf andere projizieren. Dann müssen wir keine Schuldzuweisungen mehr machen, um uns dadurch „besser“ zu fühlen. Dann sind wir einfach nur. So, wie wir sind. Und dann sind alle Gefühle einfach da und okay. Wenn da ganz viele Menschen mitmachen, dann können wir auf Gewalt und Kriege verzichten.

Ja, ich weiß, das ist ein großes Ziel! Aber viele kleine Ziele ergeben irgendwann auch ein Großes! Ich bin überzeugt davon, dass das klappen kann. Es müssen nur so viele wie möglich mitziehen. Wie schaut’s aus, sollen wir gleich jetzt damit anfangen? Bist du dabei? Das fände ich richtig, richtig cool.


Wie geht’s dir mit der Vorstellung, offen über deine negativen Emotionen zu sprechen? Kannst du dir das vorstellen? Oder erschreckt dich der Gedanke daran eher?

Ich würde mich total freuen, wenn du mir einen Kommentar hinterlässt, wie du darüber denkst. Wie ist der Gedanke, das in Zukunft mal auszuprobieren? Oder tust du es vielleicht schon längst, dann fände ich es spannend, wenn du deine Erfahrungen im Kommentar mit uns teilst.


War dieser Artikel interessant für dich? Dann hab ich hier noch was für dich:

Das Phänomen von „grundloser“ Unzufriedenheit: https://rosinageltinger.de/grundlose-unzufriedenheit/

Wie du besser mit negativen Gefühlen umgehen kannst: https://rosinageltinger.de/negative-Gefuehle/

Wie du negative Gedanken veränderst: https://rosinageltinger.de/negative-gedanken/

Wenn du gerade unglücklich bist, obwohl du alles hast und gerne Unterstützung dabei hättest, herauszufinden, was dahinter steckt, dann melde dich gerne bei mir für ein gratis, unverbindliches Erkenntnis-Coaching. Dort besprechen wir deine aktuelle Situation und was für dich gute nächste Schritte wären.

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