Unzufriedenheit

Das Phänomen von grundloser Unzufriedenheit und wie du sie überwindest

von 5. Oktober 2020 14 Kommentare
Grundlos unzufrieden

Grundlose Unzufriedenheit – warum sind wir unzufrieden ohne Grund?

Oft kommen Menschen in meine Praxis, die ihre Unzufriedenheit oder ihr unglücklich sein als grundlos empfinden.

Dann höre ich Sätze wie: Eigentlich darf ich mich ja nicht beschweren. Das ist jammern auf hohem Niveau. Ich hab ja ein Luxusproblem. Eigentlich passt alles, ABER: mir geht es trotzdem nicht gut. Und ich hab keine Ahnung warum.

Das nicht wissen, warum es mir nicht gut geht, macht es nur noch schlimmer.

Dann fühle ich mich gleich noch schlechter, weil es ja gar keinen Grund für meine Unzufriedenheit gibt.

Uns wird im Außen immer wieder suggeriert, was wir haben müssen, damit es uns gut geht und wir glücklich sind. Sicherer Job, ein Dach überm Kopf, eine Beziehung, Geld – und wenn ich das alles habe, dann hat es mir gefälligst gut zu gehen.

Und wenn nicht? Was ist, wenn es mir dann trotzdem nicht gut geht? Obwohl ich all das habe, was mich eigentlich glücklich machen sollte?

Bin ich dann grundlos unzufrieden!
Ist das wirklich so? NEIN, natürlich nicht!

Die Antwort ist ganz leicht:

Grundlose Unzufriedenheit gibt es nicht! Niemand ist grundlos unzufrieden oder unglücklich.

Es gibt immer einen Grund, es gibt immer Ursachen dafür, wenn wir uns nicht wohl fühlen. Immer!

Wir kennen nur die Gründe und die Ursachen nicht. Sie sind nicht offensichtlich. Meistens kennen wir sie deshalb nicht, weil wir sie so gut verdrängt haben.

Was steckt also dahinter? Was ist das Geheimnis der Unzufriedenheit?

Die Antwort hierauf ist auf der einen Seite sehr einfach und gleichzeitig wahnsinnig komplex: Die Gründen liegen in uns. In unserer Seele!

Glücklichsein und innere Zufriedenheit kommt von innen.

Ganz unabhängig von materiellem Besitz oder äußeren Umständen. Das haben genügend Studien mittlerweile bewiesen.

Es gibt viele unterschiedliche innere Faktoren, die zum glücklich oder zum unglücklich sein beitragen. Unsere Prägungen, innere Überzeugungen, Erfahrungen, Widerstandsfähigkeit, Bedürfnisse, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein, Verbundenheit mit sich selbst,  Selbstliebe.

Das sind die Dinge, die mir jetzt recht spontan eingefallen sind. Wahrscheinlich gibt es noch sehr viel mehr.

In diesem Artikel möchte ich näher auf die Bedürfnissen eingehen. Wir alle haben eigene Bedürfnisse. Dinge die uns Freude machen, Dinge die uns erfüllen, Dinge in denen wir richtig gut sind.

Gleichzeitig leben wir in einer Gemeinschaft, in der oft schon vorgeschrieben ist, wie ein Leben auszusehen hat.

Zum Beispiel, dass der Sohn den Betrieb vom Vater übernimmt. Oder das alle in der Familie Medizin studieren. Oft schlagen wir dann diesen Weg ein – bewusst gewählt oder oft auch ganz unbewusst.

Aber was bringt dir ein sicherer Job mit solidem Einkommen, wenn dein Herz eigentlich für einen ganz anderen Beruf schlägt? Was bringt dir eine schöne Wohnung, wenn du eigentlich um die Welt reisen möchtest? Was bringt dir eine Beziehung, wenn du dich unbewusst nicht auf Nähe einlassen kannst, und die Beziehung dich daher nicht erfüllt? Oder du dir eigentlich wünscht, ein autonomes Leben zu führen.

Wenn du dann unzufrieden bist, ist das ganz und gar nicht grundlos. Sondern im Gegenteil, du hast einen sehr guten Grund für deine Unzufriedenheit:

Du lebst nicht in Einklang mit dir und deinen Bedürfnissen!

Kann es einen wichtigeren Grund geben? Also, mir fällt keiner ein.

Das traurige daran ist, dass wir uns oft für unsere grundlose Unzufriedenheit schämen, weil wir nicht wissen, was die Ursache ist.

Wir haben das Gefühl, dass mit uns was nicht stimmt und haben Angst, dass wir nicht ernst genommen werden.

Dadurch geht es uns eben gleich noch schlechter.

Deswegen möchte ich dir jetzt hier ein paar Ideen geben, wie du das ändern kannst.

Den ersten, ganz wichtigen Schritt sind wir jetzt ja schon gegangen in dem wir definiert haben, woher die Unzufriedenheit kommen kann. Aber wie geht’s jetzt weiter?

1. Grundlose Unzufriedenheit – wir beginnen sie tiefer zu erkunden: Erkenne und erforsche deine Bedürfnisse!

Jetzt wird’s spannend! Kennst du deine wirklichen Bedürfnisse? Weißt du, was du wirklich willst. Aus tiefstem Herzen?

Das, was du als deine Wünsche und Bedürfnisse erkennst, sind das wirklich deine Bedürfnisse? Oder ist das womöglich etwas, was du von anderen übernommen hast? Zum Beispiel: „Weil man das halt einfach so macht?“ oder „Weil es „normal“ ist, so ein Leben zu führen?“

Versuche wirklich ganz in die Tiefen deiner Wünsche und Bedürfnisse einzutauchen, um herauszufinden, was du wirklich willst und brauchst.

Am besten schreibst du dir auf ein Blatt Papier, was du dir wirklich wünschst, was dich wirklich glücklich macht und erfüllt.

ACHTUNG! Seine eigenen Bedürfnisse zu erkennen ist nicht immer leicht. Oft sind diese wirklich tief in unserem Unterbewusstsein vergraben. Also bitte gib nicht gleich auf, wenn es nicht sofort funktioniert.

2. Ist die Unzufriedenheit wirklich grundlos? Vergleiche Deine Bedürfnisse mit dem IST-Zustand

Nachdem du deine Bedürfnisse identifiziert hast ist es an der Zeit, diese mit dem tatsächlichen IST-Zustand zu vergleichen.

– Was sind meine Bedürfnisse, und wie sieht mein Leben tatsächlich aus.
– In welchen Bereichen lebe ich bereits nach meinen Bedürfnissen?
– Gibt es Überschneidungen?
– Wo bin ich meilenweit davon entfernt nach meinen Bedürfnissen zu leben?

Hier kannst du wieder deine Liste aus Schritt eins nehmen und abgleichen. Welche Bedürfnisse sind erfüllt, welche so ein bisschen und welche gar nicht.

3. Grundlose Unzufriedenheit – jetzt geht’s ihr an den Kragen

Setze Deine Prioritäten

Jetzt kannst du dich schon sehr konkret mit deinem bisherigen Ergebnis auseinandersetzen.

Alle Bedürfnisse, die tatsächlich auch gelebt werden – perfekt! Hier gibt es keinen Handlungsbedarf, das darf bleiben wie es ist.

Jetzt geht’s um die Bedürfnisse, die nur teilweise oder gar nicht gelebt werden. Hier gibt es bestimmt welche, die dir wichtiger sind als andere. Oder die im Moment gerade dringender sind. Und andere, die erst mal hinten anstehen können.

Ordne deine nicht oder nur teilweise gelebten Bedürfnisse nach Prioritäten.

4. Deine grundlose Unzufriedenheit hat (fast) keine Chance mehr

Jetzt geht’s in die Aktion

Beginne mit den Bedürfnissen, die auf deiner Prio-Liste ganz oben stehen.

Was kannst du jetzt und in diesem Moment tun, um dieses Bedürfnis zu erfüllen?

Das heißt nicht notgedrungen, dass das Bedürfnis jetzt gleich gelebt und erfüllt werden muss.

Es kann im Moment auch schon ausreichend sein, sich dem Bedürfnis einfach nur zu widmen und ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Anzuerkennen, dass das Bedürfnis existiert.

Es kann aber auch durchaus sein, dass du auch gleich schon etwas aktiv unternehmen kannst, um dieses Bedürfnis zu erfüllen.

Höre in dich rein, und entscheide dich für den Weg, der sich für dich stimmig anfühlt.

So kannst du dich all deinen nicht gelebten oder vernachlässigten Bedürfnissen widmen und annähern.

WICHTIG ist: Gehe kleine Schritte, so, wie es sich für dich gut anfühlt. Nimm dir ein Bedürfnis nach dem anderen vor.

Sonst fühlen wir uns schnell überfordert, und lassen es deshalb wieder sein.

Grundlose Unzufriedenheit – Fazit

Es gibt keine grundlose Unzufriedenheit. Es gibt immer einen Grund. Und  häufig liegt dieser Grund in unseren Bedürfnissen.

Deswegen ist es wichtig, dass du dich gut um deine eigenen Bedürfnisse kümmerst.

Aber die eigenen Bedürfnisse zu erkennen ist viel einfacher gesagt als getan.

Also, bitte verzweifle nicht, wenn es auf Anhieb nicht so funktioniert, wie du es dir wünschst.

Das ist ein Prozess, der ein wenig Zeit und Geduld braucht. Bitte gib dir auch diese Zeit.

Natürlich gibt es noch weitere Ursachen für Unzufriedenheit.

Hier möchte ich dir noch ein paar weitere Hintergründe für Unzufriedenheit auflisten, die ich in den letzten 10 Jahren in meiner Praxis auch sehr häufig erlebt habe.

Überforderung

Ganz oft halsen wir uns selbst viel zu viel auf. Das führt dazu, dass wir überfordert sind, weil wir gar nicht wissen, wie wir das alles schaffen sollen. Es kommt zu einer Dysbalance zwischen An- und Entspannung. Wir sind ständig unter Strom und kommen gar nicht mehr richtig runter.

Das führt nicht nur zu Unzufriedenheit, sondern ist auch ungesund.

Wenig Selbstwertgefühl

Unser Selbstwertgefühl ist letztendlich die Basis für ein glückliches und erfülltes Leben. Es hat einen großen Einfluss auf unser denken, handeln und fühlen. Und es spielt eine große Rolle in unseren Beziehungen.

Wenn wir uns z.B. selbst nicht wichtig nehmen, werden uns vermutlich andere auch nicht wichtig nehmen.

Das Gemeine ist, dass vieles in Bezug auf unseren Selbstwert ganz unbewusst von statten geht.

21 Übungen, wie du dein Selbstwertgefühl stärken kannst, findest du in diesem Artikel.

Abgrenzung

Viele Menschen tun sich schwer damit, sich abzugrenzen. Dass heißt, wir nehmen die Gefühle von anderen auf. Zu einem gewissen Grad ist das total normal. Aber manchmal fühlt es sich tatsächlich so an, als wären es unsere eigenen Gefühle, obwohl wir sie „nur“ von anderen „übernommen“ haben.

Das kann tatsächlich dazu führen, dass wir selbst unzufrieden und unglücklich sind…obwohl es eigentlich mit uns gar nichts zu tun hat.

Auf das Thema Abgrenzung gehe ich in diesem Artikel näher ein.

Auf weitere Ursachen für Unzufriedenheit gehe ich noch intensiver in dem kostenlosen Webinar „die 7 häufigsten Ursachen von Unzufriedenheit“ ein.

Du möchtest die 7 häufigsten Ursachen für Unzufriedenheit kennen lernen? Dann melde dich am besten gleich hier für das kostenlose Webinar an!

Wenn du das Gefühl hast festzustecken, und nicht weiterzukommen, dann kannst du mich sehr gerne anschreiben (mail@rosinageltinger.de).

Ich schicke dir gerne Literaturvorschläge oder andere Anregungen und Impulse die dich bei deinem Vorhaben unterstützen können.

Dieser Prozess „aus der Unzufriedenheit rauszukommen“ kann um einiges einfacher und schneller gestaltet werden, wenn du dir Unterstützung von einer/m Fachfrau/mann holst.

Durch eine prozessbegleitende, unabhängige Person können Blockaden und Verhaltensmuster schneller erkannt und überwunden werden.

Melde dich gerne bei mir für ein unverbindliches Erstgespräch unter mail@rosinageltinger.de.

Ich wünsche dir viel Erfolg, viel Spaß und viel Freude dabei, dich selbst zu erforschen und dich besser kennen zu lernen.

Alles Liebe und lass es dir gut gehen,
Rosina

Rosina Geltinger
Heilpraktikerin für Psychotherapie,
Holistische Psycho-Kinesiologin,
psychologischer Coach,
Kursleiterin für Entspannungsverfahren

www.rosinageltinger.de
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Über die Autorin: Rosina Geltinger

Ich liebe es die Wege der Seele zu ergründen. Denn ich bin überzeugt, dass der Schlüssel zum Glück nur in uns liegt. Je tiefer und besser wir uns selbst kennen und verstehen, desto glücklicher und zufriedener können wir sein.

Dazu arbeitet ich mit meinen Klienten online und offline in meiner Praxis in München. Auf meinem Blog schreibe ich zu den Themen Selbstwertgefühl, Lebensfreude und innere Ruhe.

Ich freu mich, wenn dir mein Artikel gefallen hat. Wenn es Themen gibt, die dich besonders interessieren, dann schreib mir gerne unter mail@rosinageltinger.de.

Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie, Kursleiterin für Entspannungsverfahren und blogge hier auf meinem Blog www.rosinageltinger.de/blog. Mehr über mich erfährst Du hier.

14 Kommentare

  • Niemann sagt:

    Hallo
    Und was kostet so ein Beratungsgespräch ?
    Bin interessiert.an Literatur Vorschläge und Verhalten s Muster. LG manu

    • Hallo Manu,

      vielen Dank für Deine Nachricht. Wenn Du Dich für eine gemeinsame Arbeit entscheidest, ist das Erstgespräch ein Geschenk von mir. Ansonsten fällt der reguläre Stundensatz von EUR 75,- an.

      Die Literaturvorschläge sind natürlich auch ein Geschenk von mir. Magst Du mir einfach eine E-Mail unter mail@praxis-inventio.de schreiben. Es wäre gut, wenn Du mir kurz schreibst (gerne auch nur Stichpunkte) was Dich genau interessiert bzw. wo der Schuh drückt, dann kann ich Dir auch die passende Lektüre raussuchen.
      Herzliche Grüße, Rosina

  • Das ist ein sehr wertvoller Beitrag… ich glaube dieses Thema ist in unserer Gesellschaft präsenter als man denkt, gerade weil wir im Außen alles haben. Aber das ist komplett nicht entscheidend über unsere innere Zufriedenheit. Ich habe das auch erlebt. Für mich erscheint es sehr wichtig zu sein auf einer anderen Ebene anzusetzen, äußere Lebensumstände können vielleicht vorübergehend etwas daran ändern wie man sich fühlt, aber wenn die Basis des Problems nicht gesehen wird, wird die innere Unzufriedenheit immer wieder kehren.

    • Vielen lieben Dank für Dein nettes Feedback.

      Ich sehe das genau wie Du. Ich glaub, die große Gefahr besteht darin, Unzufriedenheit durch Äußeres kompensieren zu wollen, dadurch wird die Unzufriedenheit noch größer, deswegen wird noch mehr im Außen kompensiert usw. Das wird dann zu einem unbewussten Teufelskreis, der immer unglücklicher macht.

      Gerade deshalb ist es so wichtig auch mal Stopp (zur Schnelllebigkeit, zum Konsum) zu sagen, inne zu halten und in sich reinzuhören.

  • Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Diese Infos sind bestimmt auch für das Coaching sehr sinnvoll. Ich werde diese tollen Tipps gerne einmal an meinen Bekannten weiterleiten. Danke und weiter so.

  • Jörg sagt:

    Liebe Frau Geltinger,

    sehr interessant, was Sie so schreiben, da ich schon lange mir im klaren bin, daß ich zufrieden bin, ohne es immer gemerkt zu haben. Oft frage ich mich, warum bin ich anders als andere. Ja, ich lege keinen Wert, von anderen Menschen nur wegen meines Berufes oder auch Aussehens bzw. Geldbeutels akzeptiert zu werden. Ich bin schon immer anders gewesen als die Masse, die meint, mir etwas diktieren zu können. Nein, es ist oft schwierig, sich zu lösen, aber es geht und befreit. Im Internet kannst du immer anklicken „Newsletter abonnieren“, alles nur Ballast, in den Geschäften bekommst du nur Geschenke (wovon leben die?), die ich oft gar nicht will. Mein bester Freund, er ist fast mittellos, braucht nicht viel und sagte das letzte Mal zu mir, als er Anfang Juni in meiner Wohnung war, Jörgi, du lebst so minimalistisch. Ja, Frau Geltinger, das ist so, ich sehe mich um, was ich nicht brauche, das wird verkauft, verschenkt oder weggeworfen. Allerdings nimmt die Unzufriedenheit der Menschen stetig zu mit der Gier nach dem Geld. Ich arbeite in Lux., und dort sehe ich immer mehr unzufriedene Menschen in ihren Penisverlängerern (oder auch SUV genannt) sitzend und immer nur nach dem Geld gierend. Sie wirken so gelangweilt. Ja, die Gier nach dem Geld hat uns zerstört. Ich selbst bin in einer Familie aufgewachsen, in der ich der einzige Nichtakademiker bin und der einzige, der glücklich ist. Meine Schwester (Ärztin f. Allgemeinmedizin), sie ist mehr als 8 Jahre älter als ich( und hat ADHS) hat immer zu mir gesagt, ich hätte Komplexe und könnte nichts. Dann wurde sie schwer krank (sofort geheilt, wieder ganz gesund) und sagte vor ca. 10 Jahren zu mir, ich hätte ihr den Tod gewünscht, da ich mich nur einmal nach ihrem Wohlergehen erkundigt hätte. Ein Mensch, der so ist, der sich selbst nicht liebt, der kann niemanden lieben. Bei meinem Vater war es ähnlich: ich hätte eine Macke, ich könnte nichts. Dabei ist aus mir ein sehr guter Verkäufer geworden. Niemand aus meiner Familie muß sich wundern (mein Vater ist genau 27 Jahre nicht mehr unter uns), daß er von mir nicht gemocht wird. Ja, das war ein langer, aber auch sehr erfolgreicher Weg in die glückliche Unabhängigkeit. Und ich bin froh, einen Freund zu haben, wie eingangs beschrieben, mit dem ich lachen kann über Gott und die Welt. Die Leute bewundern mich so still, wenn sie mich mit meinem alten VW Beetle durch die Gegend fahren sehen. Meine Nachbarn habe alle große Penisverlängerer und zeigen mir, wer sie sind. Jetzt muß ich oft ein bißchen schmunzeln. Jeder muß sehen, daß sie reiten, auf die Jagd gehen (habe auch einen Jagdschein) und daß sie SUV´s haben. Diese Welt ist gut, aber auch krank. Ich bin umgeschulter Linkshänder, aber inzwischen sehr erfolgreich rückgeschult. Bin halt ein Linkshänder, worauf ich auch sehr stolz bin. So das war ein kleiner Einblick eines glücklichen Menschen.

    • Hallo Jörg,

      es freut mich sehr, dass Sie mit sich im Reinen sind und ein Lebensstil gefunden, der genau Ihnen entspricht. Dieses Glück haben tatsächlich nicht so viele Menschen. Ich glaube allerdings nicht, dass die „Gier nach Geld“ tatsächlich der Ursprung für Unzufriedenheit/Unglücklichkeit ist. Ich glaube viel mehr, dass viele Menschen versuchen, Ihre Unzufriedenheit durch das Außen zu ändern. Sei es durch Konsumgüter, Beziehungen und eben Autos. Aber Sie tun das in der Hoffnung, wenn sie dies und jenes hätten, dann sind sie endlich glücklich. Ich glaube nicht, dass Gier hier der Antrieb ist, sondern der Wunsch danach, endlich zufrieden und glücklich zu sein. Das läuft meistens auch ganz unbewusst ab. Und wenn es doch bewusst ist, dann wissen die Menschen oft einfach keine Alternative, wie und wo sie sonst ihr Glück finden können.

      Sie haben natürlich recht damit, dass das nicht funktioniert, ganz im Gegenteil. Und Sie haben auch recht damit, dass der Konsum vollkommen überhand nimmt. Und dass er nicht der Schlüssel zu unserem Glück ist. Denn das Glück und die Zufriedenheit finden wir nur immer in uns – nirgendswo sonst.

  • Barbara sagt:

    Liebe Rosina, am meisten beeindruckt hat mich der Satz „Erkenne und erforsche deine Bedürfnisse“!
    Er ist aus meiner Sicht der Dreh und Wendepunkt jedes Glücklichseins.
    Danke, dass Du im Anschluss praktische Tipps zur Herangehensweise gibst! Das bereichert Deinen Artikel sehr!

    Du bist und bleibst auf meiner Hit-Liste der Therapeuten, die ich gerne nenne, wenn mich Menschen in einer Trennungsmediation nach Unterstützungsangeboten im Einzelseetting fragen.

    Herzliche Grüße aus Augsburg
    Barbara

  • Katrin sagt:

    Ein gelungener Artikel.

    Ich bin allerdings über eine Sache gestolpert: „Was bringt dir eine Beziehung, wenn du dich unbewusst nicht auf Nähe einlassen kannst, und die Beziehung dich daher nicht erfüllt?“

    Deine anderen Beispiele (Beruf, Wohnung) zeigen eine positive Alternative zu den herkömmlichen Zielen auf. Zur Partnerschaft fällt dir offenbar keine positive Alternative ein.

    Ich frage mich, wieso das so ist.

    Gibt es keinen positiven Gegenentwurf zu einer Liebesbeziehung? Ist der Wunsch nach Nähe ein Bedürfnis, dass jeder Mensch gefälligst zu haben hat, denn ansonsten hat er ja ganz offensichtlich ein psychisches Problem (’sich unbewusst nicht auf Nähe einlassen können‘)? Ist der Wunsch nach innerer Autonomie ein Mangel, der noch nicht einmal durch eine freundliche Beschreibung beschönigt werden kann?

    Oder ist dies einfach ein Bedürfnis, das völlig gleichwertig (!) zu dem Bedürfnis nach einer Partnerschaft besteht? Immerhin weiß auch die Psychologie, dass beides existiert: der Wunsch nach Bindung und der Wunsch nach Autonomie. Es ist daher logisch anzunehmen, dass es einfach eine Frage der Persönlichkeit ist, welcher dieser beiden Bedürfnisse stärker ausgeprägt ist. Da besteht also vielleicht gar kein Mangel und auch keine Unfähigkeit (‚keine Nähe zulassen KÖNNEN‘).

    • Vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar und vielen Dank, dass du auf diesen Aspekt aufmerksam machst.

      Viele Klienten kommen zu mir in die Praxis, weil sie in ihrer Partnerschaft unglücklich sind. Ganz oft gibt es innere Blockaden, die Nähe vermeiden wollen, und dementsprechend alles sabotiert, was mit Nähe zu tun hat. Diese Dynamik läuft meistens zu 100% unbewusst. Und wenn gleichzeitig der Wunsch nach Nähe da ist, dann wird es zu einem großen Problem für die Person.

      Das Bedürfnis nach Autonomie ist genauso natürlich und genauso stark wie das Bedürfnis nach Nähe. Selbstverständlich sind beide Bedürfnisse gleichwertig. Es ist möglicherweise eine Frage der Persönlichkeit, welches Bedürfnis stärker ausgeprägt ist, oder einfach eine ganz bewusste Entscheidung, welchen Lebensstil ich für mich wähle. Beides ist gleichwertig, keines besser oder schlechter, keines steht für Mangel oder Fülle.

      Aber tatsächlich hatte ich noch nie einen Klienten bei mir in der Praxis, der sich für einen autonomen Lebensstil entschieden hat, und deswegen gravierende Probleme hatte. Ganz im Gegenteil, diese Klienten waren diesbezüglich sehr klar, authentisch und in sich ruhend. Die kamen wegen anderen Problemen, aber nicht wegen Nähe – Autonomie Konflikten.

      Wenn Menschen in einer unglücklichen Beziehung stecken und zu mir in die Praxis kommen, dann stecken oft Dynamiken dahinter, die Nähe in der Partnerschaft nicht zulassen können.
      Menschen, die sich bewusst für einen autononomen Lebensstil entschieden haben, sind eher nicht in einer Beziehung, die sie nicht erfüllt. Deshalb hab ich dieses Beispiel gewählt.

      Ich empfinde es übrigens überhaupt nicht als Mangel, ein autonomes Leben zu führen.

      • Katrin sagt:

        Danke für deine prompte Antwort. 🙂
        Es erleichtert mich, dass du das so klar und eindeutig schreibst.

        Es wird überall immer von Beziehungen geredet, und auch mein soziales Umfeld setzt es als selbstverständlich voraus, dass ich eine Partnerschaft eingehen möchte. Ich hatte sogar einmal eine Liebesbeziehung, die 19 Jahre hielt – bis mir klar wurde, dass ich alleine leben möchte. Inzwischen weiß ich sogar, dass ich das immer wollte.

        Diese Beziehung war lange Zeit eine Fernbeziehung. Das klappte noch so leidlich gut, und ich habe damals – so wie du es schreibst – meine Unzufriedenheit nie auf die Partnerschaft bezogen. Dass ich mich dann getrennt habe, kann kaum jemand verstehen.
        Es gab keinen echten Grund, außer den einen: Ich wollte nicht mehr.

        Inzwischen bin ich mit meinem Exmann übrigens gut befreundet und sehr froh darüber! Auch wegen der Kinder. Meine beiden Söhne sind ja auch eine Art von Beziehung, die mich erfüllt.
        (Keine Angst; Ich bin definitiv keine überfürsorgliche Mami. Die beiden sollen selbstständig werden, weil ich das als erstrebenswert und wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung ansehe. Nur gut kochen lernen sie nicht bei mir. :-D)

        Jedenfalls weckt das Verhalten meiner Mitmenschen in mir manchmal Zweifel an meinem Empfinden, obwohl ich doch eigentlich weiß, dass ich glücklich und zufrieden bin. Ich falle halt in vielen sozialen Situationen auf (gerade als Frau). – Schlimmer noch: Manchmal habe ich ein Problem mit Männern, die sich zurückgewiesen fühlen, und mit Frauen, die Angst haben, dass ich ihnen, weil ich Single bin, insgeheim doch den Mann wegnehmen will.

        Dabei bin ich nicht gerade der Typ Frau, der flirtet (ich kann das gar nicht so richtig), sondern mehr so der Mensch für ein tiefgründiges, ernsthaftes und sachliches Gespräch. Ich sende definitiv keine Signale, die missverständlich wären. – Ich verstehe deshalb gar nicht, warum das für die anderen so schwer zu akzeptieren ist: Mir ist klar, dass ich erstmal deren Erwartungshaltung zuwiderlaufe. Aber dann müssten die doch nur einmal kurz innehalten, merken, wie ich ticke, und das respektieren.

        Aber das funktioniert ganz oft nicht. Und ich habe dann den Salat: Menschen, die auf mich mit Ablehnung oder wenigstens Unsicherheit regieren. Das ist Mist…

        Aber mit ein bisschen Zuspruch, dass ich nach meinen Bedürfnissen handeln muss, muss und kann ich das akzeptieren. 😉

        Danke nochmal! :-):-):-)

        • Sehr gerne 🙂

          Ja, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das für dich oft richtig schwer ist.

          Leider ist es tatsächlich immer noch so, dass sich der Mensch sehr schwer tut mit „alternativen“ Lebenskonzepten. Und bewusst alleine zu leben passt eben nicht in das Bild vieler Menschen.
          Da brauchst du sicher viel innere Stärke um dem immer Stand zu halten.

          Das bringt mich jetzt auf die Idee, vielleicht dazu mal was zu schreiben. Vielen Dank für diesen Impuls.

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