Unzufriedenheit

Das Phänomen von grundloser Unzufriedenheit und wie du sie überwindest

von 2. September 2019 September 16th, 2019 8 Kommentare

Grundlose Unzufriedenheit – gibt’s das überhaupt?

Ich erlebe es oft, dass Menschen die zu mir in die Praxis kommen, die Ihre Unzufriedenheit oder Ihr Unglücklich sein als grundlos empfinden.

Meistens höre ich Sätze wie: „Eigentlich darf ich mich ja nicht beschweren“, „Das ist jammern auf hohem Niveau“, „Ich hab ja ein Luxusproblem“, „Eigentlich passt alles“. ABER mir geht es trotzdem nicht gut. Und ich hab absolut keine Ahnung warum.

Das nicht wissen, warum es mir nicht gut geht, macht es nur noch schlimmer.

Ich fühl mich gleich noch schlechter, weil ich ja eigentlich gar keinen Grund habe unglücklich zu sein.

Uns wird im Außen immer wieder suggeriert, was wir haben müssen, damit es uns gut geht und wir glücklich sind. Sicherer Job, ein Dach überm Kopf, eine Beziehung, Geld – und wenn ich das alles habe, dann hat es mir gefälligst gut zu gehen.

Und wenn nicht? Was ist, wenn es mir dann trotzdem nicht gut geht? Obwohl ich all das habe, was mich eigentlich glücklich machen sollte?

Dann bin ich grundlos unzufrieden!
Ist das wirklich so? NEIN, natürlich nicht!

Die Antwort ist ganz leicht:

Niemand ist ohne Grund unzufrieden oder unglücklich! Es gibt immer einen Grund, es gibt immer Ursachen dafür, wenn wir uns nicht wohl fühlen. Immer!

Auch wenn die Gründe nach außen nicht sichtbar sind. Und auch dann, wenn ich die Ursachen selbst nicht kenne.

Aber was steckt dann dahinter? Was ist das Geheimnis der Unzufriedenheit?

Die Antwort hierauf ist auf der einen Seite sehr einfach und gleichzeitig wahnsinnig komplex: Unsere Seele!

Glücklichsein und innere Zufriedenheit kommt von innen.

Ganz unabhängig von materiellem Besitz. Das haben genügend Studien mittlerweile bewiesen.

Es gibt viele unterschiedliche innere Faktoren, die zum glücklich oder zum unglücklich sein beitragen. Unsere Prägungen, innere Überzeugungen, Erfahrungen, Widerstandsfähigkeit, Bedürfnisse, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein, Verbundenheit mit sich selbst, Bauchgefühl. Das sind die Dinge, die mir jetzt recht spontan eingefallen sind. Wahrscheinlich gibt es noch sehr viel mehr.

Diesen Artikel möchte ich mich den Bedürfnissen widmen. Wir alle haben eigene Bedürfnisse. Dinge die uns Freude machen, Dinge die uns erfüllen, Dinge in denen wir richtig gut sind.

Und gleichzeitig leben wir in einer Gemeinschaft, in der oft schon vorgeschrieben ist, wie ein Leben auszusehen hat.

Zum Beispiel, dass der Sohn den Betrieb vom Vater übernimmt. Oder das die Tochter in die beruflichen Fußstapfen der Mutter steigt. Oft schlagen wir dann diesen Weg ein – bewusst gewählt oder oft auch ganz unbewusst.

Aber was bringt dir ein sicherer Job mit solidem Einkommen, wenn dein Herz eigentlich für einen ganz anderen Beruf schlägt? Was bringt dir eine schöne Wohnung, wenn du eigentlich um die Welt reisen möchtest? Was bringt dir eine Beziehung, wenn du dich unbewusst nicht auf Nähe einlassen kannst, und die Beziehung dich daher nicht erfüllt?

Wenn du dann unzufrieden bist, ist das ganz und gar nicht grundlos. Sondern im Gegenteil, du hast einen sehr guten Grund für deine Unzufriedenheit:

Du lebst nicht in Einklang mit dir und deinen Bedürfnissen! Kann es einen wichtigeren Grund geben? Also, mir fällt keiner ein.

Das traurige daran ist, dass wir uns für unsere Unzufriedenheit schämen, weil wir den Grund dafür nicht sehen. Wir haben das Gefühl, dass mit uns was nicht stimmt und haben Angst, dass wir nicht ernst genommen werden. Und dadurch geht es uns eben gleich noch schlechter.

Deswegen möchte ich dir jetzt hier ein paar mögliche Lösungswege aufzeigen, wie du der vermeintlich grundlosen Unzufriedenheit entkommen kannst.

Den ersten, ganz wichtigen Schritt sind wir jetzt ja schon gegangen indem wir definiert haben, woher die Unzufriedenheit kommen kann. Aber wie geht’s jetzt weiter?

1. Erkenne und erforsche deine Bedürfnisse

Jetzt wird’s spannend! Kennst du deine wirklichen Bedürfnisse? Weißt du, was du wirklich willst. Aus tiefstem Herzen?

Das, was du als deine Wünsche und Bedürfnisse erkennst, sind das wirklich deine Bedürfnisse? Oder ist das womöglich etwas, was du von anderen übernommen hast? Zum Beispiel: „Weil man das halt einfach so macht? oder „Weil es „normal“ ist, so ein Leben zu führen?“

Versuche wirklich ganz in die Tiefen deiner Wünsche und Bedürfnisse einzutauchen, um herauszufinden, was du wirklich willst und brauchst.

Am besten schreibst du dir mal in einer Liste auf, was du dir wirklich wünschst, was dich wirklich glücklich macht und erfüllt.

ACHTUNG! Seine eigenen Bedürfnisse zu erkennen ist nicht immer leicht. Oft sind diese wirklich tief in unserem Unterbewusstseins vergraben. Also bitte gib nicht gleich auf, wenn es nicht sofort funktioniert.

2. Vergleiche Deine Bedürfnisse mit dem IST-Zustand

Nachdem du deine Bedürfnisse identifiziert hast, ist es an der Zeit, diese mit dem tatsächlichen IST-Zustand zu vergleichen.

– Was sind meine Bedürfnisse, und wie sieht mein Leben tatsächlich aus.
– Wo lebe ich nach meinen Bedürfnissen?
– Wo gibt’s Überschneidungen?
– Wo bin ich meilenweit davon entfernt nach meinen Bedürfnissen zu leben?

Hier kannst du wieder deine Liste aus Schritt eins nehmen und abgleichen. Welche Bedürfnisse sind erfüllt, welche so ein bisschen, welche gar nicht.

3. Setze Deine Prioritäten

Jetzt kannst du dich schon sehr konkret mit deinem bisherigen Ergebnis auseinandersetzen.

Alle Bedürfnisse, die tatsächlich auch gelebt werden – perfekt! Hier gibt es keinen Handlungsbedarf, das darf bleiben wie es ist.

Jetzt geht’s um die Bedürfnisse, die nur teilweise oder gar nicht gelebt werden. Hier gibt es bestimmt welche, die dir wichtiger sind als andere. Oder die im Moment gerade dringender sind. Und andere, die erst mal hinten anstehen können.

Ordne deine nicht oder nur teilweise gelebten Bedürfnisse nach Prioritäten.

4. Jetzt geht’s in die Aktion

Beginne mit den Bedürfnissen, die auf deiner Prio-Liste ganz oben stehen.

Was kannst du jetzt und in diesem Moment tun, um dieses Bedürfnis zu erfüllen?

Das heißt nicht notgedrungen, dass das Bedürfnis jetzt gleich gelebt und erfüllt werden muss.

Es kann im Moment auch schon ausreichend sein, sich dem Bedürfnis einfach nur zu widmen und ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Anzuerkennen, dass das Bedürfnis existiert.

Es kann aber auch durchaus sein, dass du auch gleich schon etwas aktiv unternehmen kannst, um dieses Bedürfnis zu erfüllen.

Höre in dich rein, und entscheide dich für den Weg, der sich für dich stimmig anfühlt.

So kannst du dich all deinen nicht gelebten oder vernachlässigten Bedürfnissen widmen und annähern.

WICHTIG ist, dass du dir eins nach dem anderen vornimmst, und dich nicht überforderst.

Die eigenen Bedürfnisse zu erkennen ist viel einfacher gesagt als getan.

Also, bitte verzweifle nicht, wenn es auf Anhieb nicht so funktioniert, wie du es dir wünschst.

Wenn du das Gefühl hast festzustecken, und nicht weiterzukommen, dann kannst du mich sehr gerne anschreiben (mail@rosinageltinger.de).

Ich schicke dir gerne Literaturvorschläge oder andere Anregungen und Impulse die dich bei Deinem Vorhaben unterstützen können.

Dieser Prozess der Bedürfnisfindung kann einfacher und schneller gestaltet werden, wenn du dir Unterstützung von einer/m Fachfrau/mann holst. durch eine prozessbegleitende, unabhängige Person können Blockaden und Verhaltensmuster schneller erkannt und überwunden werden.

Melde dich gerne bei mir für ein unverbindliches Erstgespräch unter mail@rosinageltinger.de.

Ich wünsche dir viel Erfolg, viel Spaß und viel Freude dabei, dich selbst zu erforschen und dich besser kennen zu lernen.

Alles Liebe und lass es dir gut gehen, Deine Rosina

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Rosina Geltinger
Heilpraktikerin für Psychotherapie,
psychologischer Coach,
Kursleiterin für Entspannungsverfahren

www.rosinageltinger.de
www.facebook.com/RosinaGeltinger
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Über die Autorin: Rosina Geltinger

Ich unterstütze Menschen dabei, sich einen glücklicheren und entspannteren Alltag zu gestalten. In der Arbeit mit meinen Klienten finden wir gemeinsam heraus, was das „glücklich sein“ verhindert. Und lösen das Problem an der Wurzel.

Im Oktober 2019 wird es zum ersten Mal den Glücks-Kurs geben. Ein von mir persönlich begleiteter Online-Kurs für mehr glücklich sein im Alltag.

Hier findest du alle Details zum Glücks-Kurs.

Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie, Kursleiterin für Entspannungsverfahren und blogge hier auf meinem Blog www.rosinageltinger.de/blog. Mehr über mich erfährst Du hier.

8 Kommentare

  • Niemann sagt:

    Hallo
    Und was kostet so ein Beratungsgespräch ?
    Bin interessiert.an Literatur Vorschläge und Verhalten s Muster. LG manu

    • Hallo Manu,

      vielen Dank für Deine Nachricht. Wenn Du Dich für eine gemeinsame Arbeit entscheidest, ist das Erstgespräch ein Geschenk von mir. Ansonsten fällt der reguläre Stundensatz von EUR 75,- an.

      Die Literaturvorschläge sind natürlich auch ein Geschenk von mir. Magst Du mir einfach eine E-Mail unter mail@praxis-inventio.de schreiben. Es wäre gut, wenn Du mir kurz schreibst (gerne auch nur Stichpunkte) was Dich genau interessiert bzw. wo der Schuh drückt, dann kann ich Dir auch die passende Lektüre raussuchen.
      Herzliche Grüße, Rosina

  • Das ist ein sehr wertvoller Beitrag… ich glaube dieses Thema ist in unserer Gesellschaft präsenter als man denkt, gerade weil wir im Außen alles haben. Aber das ist komplett nicht entscheidend über unsere innere Zufriedenheit. Ich habe das auch erlebt. Für mich erscheint es sehr wichtig zu sein auf einer anderen Ebene anzusetzen, äußere Lebensumstände können vielleicht vorübergehend etwas daran ändern wie man sich fühlt, aber wenn die Basis des Problems nicht gesehen wird, wird die innere Unzufriedenheit immer wieder kehren.

    • Vielen lieben Dank für Dein nettes Feedback.

      Ich sehe das genau wie Du. Ich glaub, die große Gefahr besteht darin, Unzufriedenheit durch Äußeres kompensieren zu wollen, dadurch wird die Unzufriedenheit noch größer, deswegen wird noch mehr im Außen kompensiert usw. Das wird dann zu einem unbewussten Teufelskreis, der immer unglücklicher macht.

      Gerade deshalb ist es so wichtig auch mal Stopp (zur Schnelllebigkeit, zum Konsum) zu sagen, inne zu halten und in sich reinzuhören.

  • Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Diese Infos sind bestimmt auch für das Coaching sehr sinnvoll. Ich werde diese tollen Tipps gerne einmal an meinen Bekannten weiterleiten. Danke und weiter so.

  • Jörg sagt:

    Liebe Frau Geltinger,

    sehr interessant, was Sie so schreiben, da ich schon lange mir im klaren bin, daß ich zufrieden bin, ohne es immer gemerkt zu haben. Oft frage ich mich, warum bin ich anders als andere. Ja, ich lege keinen Wert, von anderen Menschen nur wegen meines Berufes oder auch Aussehens bzw. Geldbeutels akzeptiert zu werden. Ich bin schon immer anders gewesen als die Masse, die meint, mir etwas diktieren zu können. Nein, es ist oft schwierig, sich zu lösen, aber es geht und befreit. Im Internet kannst du immer anklicken „Newsletter abonnieren“, alles nur Ballast, in den Geschäften bekommst du nur Geschenke (wovon leben die?), die ich oft gar nicht will. Mein bester Freund, er ist fast mittellos, braucht nicht viel und sagte das letzte Mal zu mir, als er Anfang Juni in meiner Wohnung war, Jörgi, du lebst so minimalistisch. Ja, Frau Geltinger, das ist so, ich sehe mich um, was ich nicht brauche, das wird verkauft, verschenkt oder weggeworfen. Allerdings nimmt die Unzufriedenheit der Menschen stetig zu mit der Gier nach dem Geld. Ich arbeite in Lux., und dort sehe ich immer mehr unzufriedene Menschen in ihren Penisverlängerern (oder auch SUV genannt) sitzend und immer nur nach dem Geld gierend. Sie wirken so gelangweilt. Ja, die Gier nach dem Geld hat uns zerstört. Ich selbst bin in einer Familie aufgewachsen, in der ich der einzige Nichtakademiker bin und der einzige, der glücklich ist. Meine Schwester (Ärztin f. Allgemeinmedizin), sie ist mehr als 8 Jahre älter als ich( und hat ADHS) hat immer zu mir gesagt, ich hätte Komplexe und könnte nichts. Dann wurde sie schwer krank (sofort geheilt, wieder ganz gesund) und sagte vor ca. 10 Jahren zu mir, ich hätte ihr den Tod gewünscht, da ich mich nur einmal nach ihrem Wohlergehen erkundigt hätte. Ein Mensch, der so ist, der sich selbst nicht liebt, der kann niemanden lieben. Bei meinem Vater war es ähnlich: ich hätte eine Macke, ich könnte nichts. Dabei ist aus mir ein sehr guter Verkäufer geworden. Niemand aus meiner Familie muß sich wundern (mein Vater ist genau 27 Jahre nicht mehr unter uns), daß er von mir nicht gemocht wird. Ja, das war ein langer, aber auch sehr erfolgreicher Weg in die glückliche Unabhängigkeit. Und ich bin froh, einen Freund zu haben, wie eingangs beschrieben, mit dem ich lachen kann über Gott und die Welt. Die Leute bewundern mich so still, wenn sie mich mit meinem alten VW Beetle durch die Gegend fahren sehen. Meine Nachbarn habe alle große Penisverlängerer und zeigen mir, wer sie sind. Jetzt muß ich oft ein bißchen schmunzeln. Jeder muß sehen, daß sie reiten, auf die Jagd gehen (habe auch einen Jagdschein) und daß sie SUV´s haben. Diese Welt ist gut, aber auch krank. Ich bin umgeschulter Linkshänder, aber inzwischen sehr erfolgreich rückgeschult. Bin halt ein Linkshänder, worauf ich auch sehr stolz bin. So das war ein kleiner Einblick eines glücklichen Menschen.

    • Hallo Jörg,

      es freut mich sehr, dass Sie mit sich im Reinen sind und ein Lebensstil gefunden, der genau Ihnen entspricht. Dieses Glück haben tatsächlich nicht so viele Menschen. Ich glaube allerdings nicht, dass die „Gier nach Geld“ tatsächlich der Ursprung für Unzufriedenheit/Unglücklichkeit ist. Ich glaube viel mehr, dass viele Menschen versuchen, Ihre Unzufriedenheit durch das Außen zu ändern. Sei es durch Konsumgüter, Beziehungen und eben Autos. Aber Sie tun das in der Hoffnung, wenn sie dies und jenes hätten, dann sind sie endlich glücklich. Ich glaube nicht, dass Gier hier der Antrieb ist, sondern der Wunsch danach, endlich zufrieden und glücklich zu sein. Das läuft meistens auch ganz unbewusst ab. Und wenn es doch bewusst ist, dann wissen die Menschen oft einfach keine Alternative, wie und wo sie sonst ihr Glück finden können.

      Sie haben natürlich recht damit, dass das nicht funktioniert, ganz im Gegenteil. Und Sie haben auch recht damit, dass der Konsum vollkommen überhand nimmt. Und dass er nicht der Schlüssel zu unserem Glück ist. Denn das Glück und die Zufriedenheit finden wir nur immer in uns – nirgendswo sonst.

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