Unzufriedenheit

Das Phänomen von grundloser Unzufriedenheit und wie Du sie überwindest

von 2. Juni 2016 Mai 22nd, 2018 8 Kommentare

Grundlose Unzufriedenheit – gibt’s das überhaupt?

Nun, ich erlebe es immer wieder, dass Menschen die zu mir in die Praxis kommen, die Ihre Unzufriedenheit oder Ihr Unglücklichsein als grundlos empfinden.

Ganz oft höre ich Sätze wie: „Eigentlich darf ich mich ja nicht beschweren“, „Das ist jammern auf hohem Niveau“, „Ich hab ja ein Luxusproblem“, „Eigentlich geht’s mir gut“.

Hier haben wir wieder die gleiche Situation wie in meinem kurzen Text zu dem Wörtchen „eigentlich“.

Es wird uns suggeriert, was wir haben müssen, damit es uns gut geht und wir glücklich sind. Haben wir nun all diese Dinge, wie z.B. Job, Wohnung, Beziehung, Geld, die wir zum vermeintlichen Glücklichsein brauchen, und sind trotzdem unzufrieden, dann haben wir den „Dreck im Schachterl“ (Wie man auf bayrisch so schön sagt) oder das Dilemma.

Eigentlich müsste es mir doch gut gehen! Jetzt bin ich unzufrieden und unglücklich, und hab überhaupt keinen Grund dazu! Na wunderbar, da fühl ich mich ja gleich noch schlechter…

Also, die Antwort hierauf ist ganz leicht: Es gibt keine Unzufriedenheit oder kein Unglücklichsein ohne Grund! Es gibt immer einen Grund, es gibt immer Ursachen dafür, wenn wir uns nicht wohl fühlen. Aber, woran liegt es dann, wenn es mir doch „eigentlich“ gut geht?

Also, was ist jetzt das Geheimnis dieser Unzufriedenheit? Die Antwort hierauf ist auf der einen Seite sehr einfach und gleichzeitig wahnsinnig komplex: Deine Seele!

Wenn du entgegen Deiner Bedürfnisse lebst, entgegen dem, was Du Dir wirklich wünschst und brauchst – dann wirst Du nicht glücklich und zufrieden sein. Vollkommen unabhängig von Deinem Hab und Gut.

Was bringt Dir ein sicherer Job mit solidem Einkommen, wenn Dein Herz eigentlich für einen ganz anderen Beruf schlägt? Was bringt Dir eine schöne Wohnung, wenn Du eigentlich um die Welt reisen möchtest? Was bringt Dir eine Beziehung, wenn Du Dich unbewusst nicht auf Nähe einlassen kannst, und die Beziehung Dich daher nicht erfüllt?

Und wenn Du dann Unzufrieden bist, ist das ganz und gar nicht grundlos. Sondern im Gegenteil, Du hast einen sehr guten Grund für Deine Unzufriedenheit: Du lebst nicht in Einklang mit Dir und Deinen Bedürfnissen! Kann es einen wichtigeren Grund geben? Also, mir fällt keiner ein.

Das traurige daran ist, dass die Betroffenen sich oft für Ihre Unzufriedenheit schämen, das Gefühl haben, dass mit Ihnen etwas nicht stimmt und Angst haben, dass sie nicht ernst genommen werden.

Deswegen möchte ich Dir jetzt hier ein paar mögliche Lösungswege aufzeigen.

Den ersten, ganz wichtigen Schritt sind wir jetzt ja schon gegangen indem wir definiert haben, woher die Unzufriedenheit kommt. Aber wie geht’s jetzt weiter?

1. Erkenne und erforsche Deine Bedürfnisse

Uuuui, das wird jetzt spannend! Kennst Du Deine wirklichen Bedürfnisse? Weißt Du, was Du wirklich – ganz tief in Dir – willst? Das, was Du als Deine Wünsche und Bedürfnisse erkennst, sind das wirklich Deine Bedürfnisse, oder ist das womöglich etwas, was Du von anderen übernommen hast? Zum Beispiel: „Weil man das halt einfach so macht? oder „Weil es „normal“ ist, so ein Leben zu führen?“

Versuche wirklich in die ganz tiefen Tiefen Deiner Wünsche und Bedürfnisse einzudringen, und zu entdecken, was Du wirklich brauchst.

ACHTUNG! Seine eigenen Bedürfnisse zu erkennen ist nicht immer leicht. Oft sind diese auch tief in unserem Unterbewusstseins vergraben. Also, bitte nicht gleich aufgeben, wenn es nicht sofort funktioniert.

2. Vergleiche Deine Bedürfnisse mit dem IST-Zustand

Nachdem Du Deine Bedürfnisse identifiziert hast, ist es an der Zeit, diese mit dem tatsächlichen IST-Zustand zu vergleichen.

Was sind meine Bedürfnisse, und wie sieht mein Leben tatsächlich aus. Wo lebe ich nach meinen Bedürfnissen? Wo gibt’s Überschneidungen? Wo bin ich meilenweit davon entfernt nach meinen Bedürfnissen zu leben?

3. Setze Deine Prioritäten

Jetzt kannst Du Dich schon sehr konkret mit Deinem bisherigen Ergebnis auseinandersetzen.

Alle Bedürfnisse, die tatsächlich auch gelebt werden – perfekt! Hier gibt es keinen handlungsbedarf, das darf gerne so bleiben wie es ist.

Widme Dich nun den Bedürfnissen, die nur teilweise oder gar nicht gelebt werden. Hier gibt es bestimmt welche, die Dir wichtiger sind als andere. Oder gerade im Moment dringender. Und andere, die erst mal hinten anstehen können.

Ordne Deine nicht oder nur teilweise gelebten Bedürfnisse nach Prioritäten.

4. Jetzt geht’s in die Aktion

Beginne mit den Bedürfnissen, die auf Deiner Prio-Liste ganz oben stehen.

Was kannst Du jetzt und in diesem Moment tun, um dieses Bedürfnis zu befriedigen. Das heißt nicht notgedrungen, dass das Bedürfnis jetzt gleich gelebt werden muss. Es kann in dem Moment auch schon ausreichend sein, sich dem Bedürfnis einfach nur zu widmen und ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Anzuerkennen, dass das Bedürfnis existiert. Es kann aber auch durchaus sein, dass Du auch gleich schon etwas aktiv unternehmen kannst, um dieses Bedürfnis zu erfüllen.

Höre einfach in Dich rein, und entscheide Dich für den Weg, der sich für Dich stimmig anfühlt.

Und so kannst Du Dich all Deinen nicht gelebten Bedürfnissen widmen und annähern.

WICHTIG dabei ist, dass Du Dir eins nach dem anderen vornimmst, und Dich nicht überforderst.

Die eigenen Bedürfnisse zu erkennen ist viel einfacher gesagt als getan. Also, bitte verzweifle nicht, wenn es nicht auf Anhieb so funktioniert, wie Du es Dir wünschst.

Wenn Du das Gefühl hast festzustecken, und nicht weiterzukommen, dann kannst Du mich sehr gerne anschreiben (mail@rosinageltinger.de). Ich schicke Dir gerne Literaturvorschläge, die Dich bei Deinem Vorhaben unterstützen können.

Oder aber wir vereinbaren ein unverbindliches Erstgespräch. Dieser Prozess kann einfacher und schneller gestaltet werden, wenn Du Dir Unterstützung von einer/m Fachfrau/mann holst. Durch eine prozessbegleitende, unabhängige Person können Blockaden und Verhaltensmuster schneller erkannt und überwunden werden.

Ich wünsche Dir viel Erfolg, viel Spaß und viel Freude dabei, Dich selbst zu erforschen und Dich besser kennen zu lernen.

Herzliche Grüße, Deine Rosina

PS.: Auch für Fragen oder Anregungen hast, kannst Du mich gerne per E-Mail unter mail@rosinageltinger.de kontaktieren.

Rosina Geltinger

Heilpraktikerin für Psychotherapie,
psychologischer Coach, Kursleiterin für Entspannungsverfahren

www.rosinageltinger.de
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Über die Autorin: Rosina Geltinger

Ich helfe Menschen Krisen zu überwinden, und die darin verborgenen Schätze zu bergen. Denn in jeder Krise steckt eine Riesenchance.

Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie, Kursleiterin für Entspannungsverfahren und blogge hier auf meinem Blog www.rosinageltinger.de/blog. Mehr über mich erfährst Du hier.

8 Kommentare

  • Niemann sagt:

    Hallo
    Und was kostet so ein Beratungsgespräch ?
    Bin interessiert.an Literatur Vorschläge und Verhalten s Muster. LG manu

    • Hallo Manu,

      vielen Dank für Deine Nachricht. Wenn Du Dich für eine gemeinsame Arbeit entscheidest, ist das Erstgespräch ein Geschenk von mir. Ansonsten fällt der reguläre Stundensatz von EUR 75,- an.

      Die Literaturvorschläge sind natürlich auch ein Geschenk von mir. Magst Du mir einfach eine E-Mail unter mail@praxis-inventio.de schreiben. Es wäre gut, wenn Du mir kurz schreibst (gerne auch nur Stichpunkte) was Dich genau interessiert bzw. wo der Schuh drückt, dann kann ich Dir auch die passende Lektüre raussuchen.
      Herzliche Grüße, Rosina

  • Das ist ein sehr wertvoller Beitrag… ich glaube dieses Thema ist in unserer Gesellschaft präsenter als man denkt, gerade weil wir im Außen alles haben. Aber das ist komplett nicht entscheidend über unsere innere Zufriedenheit. Ich habe das auch erlebt. Für mich erscheint es sehr wichtig zu sein auf einer anderen Ebene anzusetzen, äußere Lebensumstände können vielleicht vorübergehend etwas daran ändern wie man sich fühlt, aber wenn die Basis des Problems nicht gesehen wird, wird die innere Unzufriedenheit immer wieder kehren.

    • Vielen lieben Dank für Dein nettes Feedback.

      Ich sehe das genau wie Du. Ich glaub, die große Gefahr besteht darin, Unzufriedenheit durch Äußeres kompensieren zu wollen, dadurch wird die Unzufriedenheit noch größer, deswegen wird noch mehr im Außen kompensiert usw. Das wird dann zu einem unbewussten Teufelskreis, der immer unglücklicher macht.

      Gerade deshalb ist es so wichtig auch mal Stopp (zur Schnelllebigkeit, zum Konsum) zu sagen, inne zu halten und in sich reinzuhören.

  • Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Diese Infos sind bestimmt auch für das Coaching sehr sinnvoll. Ich werde diese tollen Tipps gerne einmal an meinen Bekannten weiterleiten. Danke und weiter so.

  • Jörg Weber sagt:

    Liebe Frau Geltinger,

    sehr interessant, was Sie so schreiben, da ich schon lange mir im klaren bin, daß ich zufrieden bin, ohne es immer gemerkt zu haben. Oft frage ich mich, warum bin ich anders als andere. Ja, ich lege keinen Wert, von anderen Menschen nur wegen meines Berufes oder auch Aussehens bzw. Geldbeutels akzeptiert zu werden. Ich bin schon immer anders gewesen als die Masse, die meint, mir etwas diktieren zu können. Nein, es ist oft schwierig, sich zu lösen, aber es geht und befreit. Im Internet kannst du immer anklicken „Newsletter abonnieren“, alles nur Ballast, in den Geschäften bekommst du nur Geschenke (wovon leben die?), die ich oft gar nicht will. Mein bester Freund, er ist fast mittellos, braucht nicht viel und sagte das letzte Mal zu mir, als er Anfang Juni in meiner Wohnung war, Jörgi, du lebst so minimalistisch. Ja, Frau Geltinger, das ist so, ich sehe mich um, was ich nicht brauche, das wird verkauft, verschenkt oder weggeworfen. Allerdings nimmt die Unzufriedenheit der Menschen stetig zu mit der Gier nach dem Geld. Ich arbeite in Lux., und dort sehe ich immer mehr unzufriedene Menschen in ihren Penisverlängerern (oder auch SUV genannt) sitzend und immer nur nach dem Geld gierend. Sie wirken so gelangweilt. Ja, die Gier nach dem Geld hat uns zerstört. Ich selbst bin in einer Familie aufgewachsen, in der ich der einzige Nichtakademiker bin und der einzige, der glücklich ist. Meine Schwester (Ärztin f. Allgemeinmedizin), sie ist mehr als 8 Jahre älter als ich( und hat ADHS) hat immer zu mir gesagt, ich hätte Komplexe und könnte nichts. Dann wurde sie schwer krank (sofort geheilt, wieder ganz gesund) und sagte vor ca. 10 Jahren zu mir, ich hätte ihr den Tod gewünscht, da ich mich nur einmal nach ihrem Wohlergehen erkundigt hätte. Ein Mensch, der so ist, der sich selbst nicht liebt, der kann niemanden lieben. Bei meinem Vater war es ähnlich: ich hätte eine Macke, ich könnte nichts. Dabei ist aus mir ein sehr guter Verkäufer geworden. Niemand aus meiner Familie muß sich wundern (mein Vater ist genau 27 Jahre nicht mehr unter uns), daß er von mir nicht gemocht wird. Ja, das war ein langer, aber auch sehr erfolgreicher Weg in die glückliche Unabhängigkeit. Und ich bin froh, einen Freund zu haben, wie eingangs beschrieben, mit dem ich lachen kann über Gott und die Welt. Die Leute bewundern mich so still, wenn sie mich mit meinem alten VW Beetle durch die Gegend fahren sehen. Meine Nachbarn habe alle große Penisverlängerer und zeigen mir, wer sie sind. Jetzt muß ich oft ein bißchen schmunzeln. Jeder muß sehen, daß sie reiten, auf die Jagd gehen (habe auch einen Jagdschein) und daß sie SUV´s haben. Diese Welt ist gut, aber auch krank. Ich bin umgeschulter Linkshänder, aber inzwischen sehr erfolgreich rückgeschult. Bin halt ein Linkshänder, worauf ich auch sehr stolz bin. So das war ein kleiner Einblick eines glücklichen Menschen.

    • Hallo Herr Weber,

      es freut mich sehr, dass Sie mit sich im Reinen sind und ein Lebensstil gefunden, der genau Ihnen entspricht. Dieses Glück haben tatsächlich nicht so viele Menschen. Ich glaube allerdings nicht, dass die „Gier nach Geld“ tatsächlich der Ursprung für Unzufriedenheit/Unglücklichkeit ist. Ich glaube viel mehr, dass viele Menschen versuchen, Ihre Unzufriedenheit durch das Außen zu ändern. Sei es durch Konsumgüter, Beziehungen und eben Autos. Aber Sie tun das in der Hoffnung, wenn sie dies und jenes hätten, dann sind sie endlich glücklich. Ich glaube nicht, dass Gier hier der Antrieb ist, sondern der Wunsch danach, endlich zufrieden und glücklich zu sein. Das läuft meistens auch ganz unbewusst ab. Und wenn es doch bewusst ist, dann wissen die Menschen oft einfach keine Alternative, wie und wo sie sonst ihr Glück finden können.

      Sie haben natürlich recht damit, dass das nicht funktioniert, ganz im Gegenteil. Und Sie haben auch recht damit, dass der Konsum vollkommen überhand nimmt. Und dass er nicht der Schlüssel zu unserem Glück ist. Denn das Glück und die Zufriedenheit finden wir nur immer in uns – nirgendswo sonst.

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