Warum wir uns für andere aufopfern…

von 18. Februar 2019 Selbstwertgefühl

Warum wir uns für andere aufopfern – die Ursache dafür liegt oft tief in uns vergraben.

Ich spiele total ausgelassen mit meiner Freundin im Garten. Wir lachen, toben, spielen verstecken und haben riesigen Spaß. Plötzlich stolpere ich über einen Ast und falle hin. Direkt auf’s Knie.

AAAAUUUUUHHHH, das tut weh. Und es blutet auch ganz dolle. Meine Mama kommt gleich her, aber anstatt mich zu trösten sagt sie: „Ich hab dir doch gesagt, ihr sollt nicht so wild sein. Da bist selber schuld.“ Dann schaut sie mein Knie an und sagt: „Das ist nicht so schlimm, da musst nicht weinen.“

Aber es tut doch so weh, wieso darf ich da nicht weinen? Das versteh ich nicht. Und das macht mich irgendwie gleich noch trauriger.

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Echt krass! Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so in eine Situation zurückversetzen kann, die schon über 30 Jahre zurückliegt. Ich spüre sogar die Stelle an meinem Knie, das hat jetzt wirklich ein wenig weh getan. Total abgefahren!

Aber was hat das jetzt damit zu tun, dass ich mich für andere aufopfere? Der Zusammenhang ist mir noch nicht klar?

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Deine Gefühle, erst deine Erschrockenheit, dass du so abrupt aus dem Spiel gerissen wurdest und dann dein Schmerz, wurden in der Situation nicht gesehen.

Sie wurden bagatellisiert mit „Ist doch nicht so schlimm“. Und immer wenn unsere Gefühle bagatellisiert werden passiert folgendes:

Wir geraten in einen inneren Konflikt. Was ich fühle passt nicht mit dem zusammen, was mir von außen gespiegelt wird.

Also muss entweder mein Gefühl falsch sein, oder das, was die Mama sagt ist falsch.

Die Eltern sind bis zum 6 Lebensjahr wie Götter für die Kinder. Also geht es natürlich nicht, dass die Mama falsch liegt. Sie ist ja eine Göttin. Somit hat die Mama recht.

Demnach sind meine Gefühle falsch. Logische Konsequenz. Geht ja nicht anders.

So oder so ähnlich sieht es wahrscheinlich innerlich in dem kleinen Mädchen nach dieser Situation aus. Und dieser Vorgang wird bei jedem Mal wiederholt, wenn Gefühle nicht gesehen, nicht wahrgenommen und nicht ernst genommen werden. Jedes Mal.

Es dauert wahrscheinlich gar nicht so lange bis das Mädchen verinnerlicht, dass ihre Gefühle nicht wichtig sind. Dass ihre Gefühle nicht stimmen. Und im schlimmsten Fall verinnerlicht sie nur einen kleinen Satz: Ich bin falsch.

Oft verstärkt sich dadurch auch das Bedürfnis nach Liebe, nach Aufmerksamkeit und danach zugehörig zu sein.

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Und da kommt dann schon der nächste innere Konflikt: Wenn ich nicht wichtig bin, wenn ich falsch bin, dann muss ich etwas dafür tun, um anerkannt und geliebt zu werden. Dann muss ich was dafür tun, um dazu zugehören.

Also, fängt das kleine Mädchen an es ihren Eltern recht zu machen.

Sie ist ganz besonders brav, auch wenn es wütend ist. Sie lacht viel, auch wenn sie eigentlich traurig ist. Sie weint ganz selten, auch nicht, wenn ihr danach zumute ist. Mama und Papa sind immer viel liebevoller, zugewandter und aufmerksamer, wenn sie brav und fröhlich ist.

Und genau hier wird der Grundstein dafür gelegt, dass wir uns später für andere aufopfern. Wir fangen an Dinge für die anderen zu tun. Obwohl wir uns nicht danach fühlen.

Irgendwann merken wir das gar nicht mehr. Es wird zur Selbstverständlichkeit. Wir nehmen die anderen wichtiger als uns selbst. Wir setzen die anderen an erste Stelle.

Dann kommen noch ganz viele andere Sachen, wie z.B. Arbeit, Leistung, Geld und irgendwann ganz zum Schluss – da kommen wir.

Um uns selbst kümmern wir uns meist als letztes…

Und das fliegt uns früher oder später um die Ohren.

Entweder indem es uns nicht gut geht und wir den inneren Druck nicht mehr aushalten. Wir fühlen uns niedergeschlagen, energielos und müde.

Oder aber wir entwickeln körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Magenprobleme, Schlafprobleme, Zähneknirschen usw. Und im schlimmsten Falle werden wir ernsthaft krank.

Aber irgendwie wird es sich früher oder später auf jeden Fall zeigen.

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Ja, okay. Das klingt logisch. Klingt alles recht stimmig für mich.
Aber bin ich nicht total egoistisch, wenn ich mich plötzlich um mich kümmere?

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Das ist wirklich spannend. Diesen Satz höre ich fast immer, wenn ich an der Stelle bin.
Das ist auch so ein Glaubenssatz, der uns oft in der Kinderheit eingetrichtert wurde. Meist von Menschen, die auf sich selbst gar nicht geachtet haben und sich ausschließlich für andere aufgeopfert haben.

Nein, es ist nicht egoistisch. Ich sage nicht: kümmere dich nur um dich, und alle anderen um dich herum können dir gestohlen bleiben. Das wäre egoistisch. Wenn du auf Teufel komm raus, ohne Rücksicht auf Verluste dein Ding durchziehst.

Aber das meine ich nicht.
Ich sage: stelle dich auf die gleiche Stufe wie deine Mitmenschen. Nimm die anderen nicht wichtiger als dich selbst. Du bist genauso viel Wert wie alle anderen Menschen auch, nicht weniger!

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Ahhhh, okay. Verstehe. Irgendwie finde ich diesen Gedanken komisch: Mich selbst wichtig nehmen. Das klingt total schräg für mich. Aber deine ganzen Erläuterungen, die klingen schon logisch und stimmig. Und es spricht mich auch total an. Hmmm, vielleicht sollte ich das mal ausprobieren.

Wie mach ich dass denn überhaupt? Wie hör ich damit auf, mich nicht mehr für andere aufzuopfern?

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Der wichtigste und zentralste Schritt ist: Selbstfürsorge.

Lerne, dich um dich selbst zu sorgen. Gehe fürsorglich mit dir selbst um. Sei empathisch und liebevoll zu dir.

Das wird sich anfangs etwas neu, ungewohnt und komisch anfühlen. Aber mit der Zeit wird dass immer besser werden. Und es wird dir unglaublich gut tun!

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Okay. Aber, jetzt hab ich blöde eine Frage: Wie mach ich dass denn? Wie geht denn Selbstfürsorge?

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Das besprechen wir dann im nächsten Artikel zum Thema Selbstfürsorge.

Und bis dahin achtest du einfach nur mal darauf, was du eigentlich gerne machst, und was nicht. Um mal überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen.

Zusätzliche Anmerkung der Autorin:

Situationen wie diese sind auch oft der Ursprung für Selbstzweifel, Selbstkritik, negative Gedanken und ein sich ständiges Sorgen machen.

Im intensiven GruppenCoachingProgramm für Frauen, welches am 27.März in München startet, dreht sich alles um das Thema. Da geht’s den Sorgen an den Kragen. Interessant für dich – dann klick hier!

Was sind denn deine Erfahrung mit diese Thema?

Bist du nett zu dir? Oder eher nicht so? Welche Art von Gedanken schränken dich ein und blockieren dich? Beschimpfst du dich selbst oder machst du dich eher selbst nieder?

Ich freu mich total, wenn du mir auf mail@rosinageltinger.de schreibst und erzählst, wie es dir damit geht.

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Über die Autorin: Rosina Geltinger

Ich helfe Menschen dabei Krisen zu überwinden, innere Blockaden und Selbstzweifel zu überwinden und ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie, Kursleiterin für Entspannungsverfahren und blogge hier auf meinem Blog www.rosinageltinger.de/blog. Mehr über mich erfährst Du hier.

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