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Selbstfürsorge & Stressbewältigung

Was ist ein Burn On?

By 16. Februar 2023Juni 19th, 2023No Comments
Erschöpfte Frau im Burn On

Es ist schon einige Zeit her, da hat mir eine Klientin von einem Buch mit dem Titel Burn On erzählt. Ohne das Buch gelesen oder im Internet danach gesucht zu haben, wusste ich sofort, was dieser Begriff bedeutet.

Seit 12 Jahren arbeite ich mit Frauen, die erschöpft und ausgelaugt sind, die immer viel für andere tun und sich selbst und ihre Bedürfnisse hinten anstellen und die deshalb unzufrieden und unglücklich sind. Der Begriff Burn Out hat aber für die meisten nicht gepasst, denn ein ganz wichtiges Detail fehlte bei ihnen: Sie sind nicht ausgebrannt! Sie haben, trotz aller Erschöpfung, immer weitergemacht.

In all meinen Texten habe ich deshalb den Begriff Burn Out immer vermieden, weil er einfach nicht passend war. Es ging zwar schon in diese Richtung, aber eben nicht ganz. Nur ich hatte einfach keine begriffliche Alternative. Bis jetzt.

Denn dann erwähnte diese Klienten den Begriff Burn On, und ich dachte mir direkt: Das ist es. Genau das ist der Begriff, der zu den Klientinnen passt, für die ich den Begriff Burn Out vermieden habe.

In diesem Artikel werde ich jetzt darüber schreiben, was Burn On eigentlich ist, wie der Burn On entsteht und wie du aus einem Burn On aussteigen kannst. Das ist kein wissenschaftlicher Artikel werden, sondern ich beschreibe den Burn On, wie ich ihn die letzten 12 Jahren regelmäßig in meiner Praxis erlebt habe.

Was ist also ein Burn On?

Der Burn On ist ein Zustand von ständiger und dauerhafter Erschöpfung und Überforderung, bei der kein Ende in Sicht ist. Die Betroffenen haben zwar immer die Hoffnung, dass es bald besser wird, aber dazu kommt es nicht.

Wenn das Projekt in der Arbeit abgeschlossen ist, wird es besser.
– Wenn die Kinder älter werden, wird es besser.
– Wenn ich genügend Geld verdient habe, wird es besser.

Das sind typische Burn On Gedanken, nur leider wird es nicht besser. Nach dem Projekt kommt das nächste Projekt, wenn die Kinder größer sind, kommen andere Herausforderungen. Gefühlt ist die Erholung, die Entspannung und die Ruhe zum Greifen nah, und doch immer unerreichbar.

So wird die Erschöpfung immer mehr. Die Betroffenen erledigen noch alles, was getan werden muss, aber alles andere fällt hinten runter. Sie haben immer das Gefühl, dass einfach alles zu viel ist. Hobbies, Freunde treffen, Dinge, die Spaß machen, finden nur noch in Ausnahmefällen statt. Es ist schlicht und ergreifend keine Energie mehr dafür vorhanden!

Burn Out wird in erster Linie mit der Arbeit in Verbindung gebracht, Burn On auch. Ich allerdings habe den Eindruck, dass die Arbeit nur ein Faktor von mehreren ist, der den Burn On verstärkt, aber sicher ist die Arbeit nicht der alleinige Auslöser. (Die Erfahrung habe ich übrigens auch mit Burn Out Klienten gemacht).

Der größte Unterschied zum Burn Out ist der, dass die Burn On Klienten nicht ausbrennen. Es gibt keinen großen Zusammenbruch. Sie machen immer weiter. Sie brennen immer weiter. Wobei es natürlich immer möglich ist, dass ein Burn On in einem Burn Out landet.

Außerdem ist es beim Burn On oft so, dass die Betroffenen ihre Tätigkeiten als sehr erfüllend erleben und sie gerne tun. Es ist einfach nur zu viel. Auch das ist beim Burn Out oft anders. Wenn du deine eigenen Bedürfnisse besser erkennen und mehr danach leben möchtest, dann hol dir gerne hier meinen Minikurs 5 Tage – 5 Impuls „Eigene Bedürfnisse besser erkennen & mehr danach leben„.

Wie entsteht ein Burn On?

Es gibt nicht diesen einen Grund, wie ein Burn On entsteht. Die Hintergründe, Ursachen und psychische Dynamiken, aus denen sich ein Burn On entwickeln kann, sind individuell und hängen mit der jeweiligen Lebensgeschichte und den Erfahrungen zusammen. Es gibt aber so ein paar typische Dynamiken, die ich immer wieder beobachtet habe, die oft direkt in einen Burn On führen.

1. Es allen anderen recht machen wollen

Sehr viele haben den Wunsch, es den anderen recht zu machen. Oft aus Angst vor Konflikten oder vor Ablehnung. Das findet häufig unbewusst statt. Bei den Betroffenen ist es schon ganz normal, sich anzupassen, und erst die Erwartungen, Bedürfnisse und Wünsche anderer zu erfüllen. Das kann den Hintergrund haben, dass es uns so vorgelebt wurde. Oder dass wir als Kind öfter erlebt haben, dass wir geschimpft, ignoriert oder anders (emotional) bestraft wurden, wenn wir unser eigenes Ding durchgezogen haben und uns mal nicht um die anderen gekümmert haben.

Dabei kommen wir selbst viel zu kurz. Wir strampeln uns für die anderen ab, und vergessen uns selbst total dabei. Selbstfürsorge, Zeit für mich, Zeit zum Erholen – Fehlanzeige. Wenn das über einen längeren Zeitraum so geht und wir nicht irgendwann den Riegel vorschieben, ist das eine direkte Straße in den Burn On.

2. Leistung ist mit Anerkennung und Liebe verknüpft

Ich muss etwas leisten, um Anerkennung zu bekommen. Ich muss etwas tun, um geliebt zu werden. Das sind sehr hartnäckige, tief sitzende Glaubenssätze, die sehr viele Frauen mit sich herumschleppen. Diese Glaubenssätze führen dazu, dass wir immer etwas tun müssen. Leistung, Leistung, Leistung – in ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Wir können nicht einfach so von unserem Partner geliebt werden, wir müssen etwas tun, um uns die Liebe zu verdienen. Wir müssen mehr leisten, als unsere Kollegen, um Anerkennung von unserem Chef zu bekommen.

Auch das ist oft unbewusst und führt dazu, dass Entspannung fast unmöglich wird. Wenn ich mich entspanne, verdiene ich ja keine Anerkennung oder Liebe. Auch hier ist eindeutig, wo diese Dynamik auf längere Sicht gesehen hinführt.

3. Ich bin nicht gut genug, ich bin nicht liebenswert, ich bin nicht wichtig

Das sind auch Glaubenssätze, die einem Burn On in die Karten spielen. Diese Glaubenssätze können sich ganz unterschiedliche auswirken.

Sie können dazu führen, dass wir

– nicht für uns einstehen.
– uns unterordnen.
– Konflikten aus dem Weg gehen.
– zu harmoniebedürftig sind.
– die Überzeugung haben, dass andere wichtiger als wir selbst sind.

Diese Glaubenssätze ziehen sich durch alle Lebensbereiche und sind die perfekte Grundlage für einen Burn On.

Bestimmt gibt es noch andere seelische Dynamiken, die ein guter Nährboden für einen Burn On sind. Die Aufgeführten sind die, die mir in den letzten Jahren am häufigsten begegnet sind.

Was kannst du tun, um aus dem Burn On „auszusteigen“?

Wie schaffst du es jetzt, dieses Burn On Hamsterrad zu verlassen? Dazu gibt es drei wichtige Schritte:

1. Werde dir dessen bewusst!

Der erste und wichtigste Schritt ist: Werde dir bewusst, dass du in einem Burn On steckst! Werde dir bewusst darüber, dass es so nicht dauerhaft weitergehen wird. Hier geht es nicht nur darum, dass du dir das denkst, sondern dass du es auch wirklich fühlst. Lasse mal die Erschöpfung und die Überforderung da sein. Lass die Anspannung mal los und spüre mal wie sehr du ständig unter Strom stehst.

Wenn du das wirklich spürst, dann frage dich: Möchte ich so weitermachen? Antworte dir ehrlich!

2. Achte auf dich – übe dich in Selbstfürsorge

Beginne mit Selbstfürsorge. Beginne damit, dich besser um die zu kümmern und fest Dinge in deinem Leben einzuplanen, die für dich sind! Die dir guttun! Das muss auch nicht unbedingt viel sein, jeden Tag ein bisschen was, bewirkt oft schon Wunder.

Hier habe ich einen sehr hilfreichen Artikel zur Selbstfürsorge:

Die ultimative Selbstfürsorge-Anleitung

Es gibt so viele unterschiedliche Formen und Arten der Selbstfürsorge. Hier finde ich es sehr hilfreich, einfach auszuprobieren. Teste einfach, was für dich gut ist und für dich funktioniert.

3. Geduld, Geduld, Geduld

Übe dich in Geduld. In Geduld mit der Wirkung und in Geduld mit dir selbst, wenn du zum Beispiel wieder in alte Muster zurückfällst.

Achte sehr darauf, dass du deine ursprüngliche Burn On Mentalität nicht auf den Weg heraus anwendest. Zum Beispiel: Ich werde schon viel schneller und effektiver in der Achtsamkeit. Das ist nicht der Sinn der Sache.

Überfordere dich auch nicht auf deinem Weg aus der Burn On Spirale heraus. Kleinere, regelmäßige Schritte und Taten helfen dir langsam eine andere Richtung einzuschlagen. Mach dir am besten eine Liste, was dir alles guttut, und versuche jeden Tag eine Kleinigkeit davon umzusetzen.


Wenn du dabei gerne Unterstützung hättest, dann buche dir gerne ein kostenloses, unverbindliches Erkenntnis-Coaching (ca. 15 Minuten). Da können wir gemeinsam deinen Burn On Ausstieg planen.


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