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Wie sich seelische Belastungen körperlich zeigen

von 16. August 2022 September 27th, 2022 keine Kommentare
Seelische Belastungen

Ich wurde letztens gefragt, was mein „Lieblings-Tool“ in Bezug auf Persönlichkeitsentwicklung ist. Ich konnte mich nicht entscheiden, weil es so viele Ansätze gibt, die ich richtig gut finde. Dann hat meine Blogger-Kollegin Michaela Schächner, Business Coach, mich gefragt: Was wendest du denn am liebsten bei dir selbst an? Was machst du, wenn ein negativer Glaubenssatz auftaucht? Meine Antwort: Ich arbeite mit dem Körper, also mit körperpsychotherapeutischen Interventionen. Das fand sie so spannend und hat total interessiert nachgefragt, dass sie mich dazu inspiriert hat, einen Blogartikel darüber zu schreiben. Und hier ist er!

Warum zeigen sich seelische Belastungen körperlich?

Schon Freud hat dieses Phänomen in die Liste seiner Abwehrmechanismen aufgenommen. Er nannte das körperliche Zeigen von seelischen Themen „Konversion“. Und Christian Morgenstern hat so treffend gesagt: „Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.“

Unsere Seele besteht aus 3 Schichten: das Bewusstsein, das Unterbewusstsein und das Unbewusstsein. Viele unserer seelischen Belastungen sind unterbewusst oder unbewusst. Das ist eine große Hilfe und Unterstützung für uns, denn wenn immer alles bewusst wäre, könnten wir das Leben vermutlich nicht bewerkstelligen.

Aber es gibt immer wieder unterbewusste Themen, die ins Bewusstsein wollen. Wenn wir dafür nicht offen sind oder unsere Seele überhören, dann müssen sich diese Themen anders zeigen. Hier kommt dann der Körper ins Spiel, der unsere Seele unterstützt.

Geh du voran, sagte die Seele zum Körper, auf mich hört er nicht.
Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für dich haben, antwortete der Körper.

Ullrich Schaffer

Psychosomatik und die Holy 7

Der Begriff Psychosomatik bedeutet die ganzheitliche Betrachtungsweise, die sich auf den Zusammenhang zwischen somatischen (körperlichen) Störungen, Symptomen oder Krankheitsbildern und der Psyche bezieht.

1950 hat Franz Alexander einen Katalog mit sieben psychosomatischen Krankheiten beschrieben, die auch heute noch häufig als psychosomatisch angesehen werden. Die sogenannten Holy 7, wobei dieser Begriff erst später geprägt wurde.

Es gibt allerdings so viel mehr körperliche Beschwerden und Symptome, die seelische Ursachen haben. Für mein Verständnis klopfen die körperlichen Beschwerden mit seelischen Ursachen erstmal leise an. Wenn wir nicht darauf hören, werden die Beschwerden intensiver und stärker, solange, bis wir sie bewusst wahrnehmen und uns damit auseinandersetzen.

Woran erkenne ich, ob meine körperlichen Beschwerden eine seelische Ursache haben?

Um auszuschließen, dass die Körperempfindungen oder die körperlichen Beschwerden organisch bedingt sind, ist es als erstes notwendig, sich vernünftig von einem Arzt untersuchen zu lassen.

Wenn aus medizinischer Sicht alles in Ordnung ist, kommt bei vielen die Ratlosigkeit. Woher kommen dann meine Symptome? Spätestens an dem Zeitpunkt kannst du dir Gedanken machen, ob seelische Ursachen hinter deinen Symptomen stecken könnten. Du kannst dich selbst fragen: Was „bringt“ mir dieses Symptom? Welchen Gewinn habe ich dadurch? Oder auch: Was will mir das Symptom sagen?

Manchmal ist es recht offensichtlich welche seelische Belastung das Symptom verursacht, z.B. wenn du erschöpft bist und dringend eine Auszeit bräuchtest, aber keinen Urlaub bekommst, kann ein kleiner Infekt für die nötige Pause sorgen. Oft ist es aber sehr subtil und gar nicht eindeutig. So kann ein Symptom z.B. auf einen negativen Glaubenssatz hinweisen, der dir gar nicht bewusst ist.

Welche seelischen Ursachen können meine körperlichen Beschwerden haben?

Es ist mir leider nicht möglich, eine Liste zu erstellen, bei der ich die seelischen Belastungen der körperlichen Symptome gegenüber stelle. Ich habe in den letzten 11 Jahren viel mit körperlichen Beschwerden gearbeitet und festgestellt, dass das absolut individuell ist. Es gibt typische körperliche Beschwerden, die auf seelische Belastungen zurückzuführen sind, aber bei jedem Menschen stecken andere Themen dahinter. Ein Engegefühl im Brustkorb muss nicht automatisch mit Angst zu tun haben. Es kann auch ein negativer Glaubenssatz sein, der sich hier meldet. Rüdiger Dahlke hat hier einige Bücher (z.B. Krankheit als Symbol, Krankheit als Sprache der Seele) dazu geschrieben, die sehr gut als Orientierung geeignet sind.

Dennoch möchte ich ein paar Beispiele nennen, welche seelischen Belastungen sich körperlich zeigen können: Ängste, Anpassungsschwierigkeiten (das kann auch bei positiven Veränderungen eintreten!), negative, unbewusste Glaubenssätze, innere Konflikte, wenn etwas nicht mit meinen Werten zusammenpasst und Überforderung.

Typische körperliche Beschwerden mit seelischem Hintergrund

Diese körperlichen Beschwerden haben ganz häufig seelische Belastungen als Ursache:

  1. Der Brustkorb zieht sich zusammen
  2. Das Gefühl keine Luft zu bekommen
  3. Symptome am Herz (Herzrasen, Herzstolpern, Herzschmerz und.ä.)
  4. Druckgefühl im oberen Magenbereich
  5. Stein im Bauch
  6. Flaues Gefühl im Bauch
  7. Magen verkrampft sich
  8. Schwindelgefühl
  9. Übelkeit
  10. Innere Unruhe, Nervosität

Wenn ein Symptom sich immer wieder meldet, und es keine organische Ursache gibt, dann will uns die Seele etwas sagen.

Im Alltag kann das zum Beispiel so aussehen:

Ich bekomme keine Luft!

Eine ehemalige Klientin von mir hatte oft das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Sie hatte eine Engegefühl im Brustkorb und „gefühlte“ Atemnot. Das Ganze machte ihr ziemlich Angst und sie wusste einfach nicht, was mit ihr los war. Der Arzt konnte nichts finden, deshalb machten wir uns auf die Suche nach der seelischen Ursache.

Wir stellten schnell fest, dass dieses Gefühl immer dann auftritt, wenn sie und ihr Partner nicht einer Meinung waren. Es ging nicht um Streitigkeiten, sondern um banale Dinge wie: Wohin gehen wir heute Abend zum essen. Komisch war, dass das Engegefühl immer stärker wurde, auch wenn die Situation längst vorbei war und ohne Probleme gelöst wurde.

Wir fanden heraus, dass massive Streitigkeiten in ihrer Herkunftsfamilie immer mit banalen Dingen begannen. Das war für sie als kleines Mädchen kaum zu ertragen und nahm ihr die Luft zum Atmen. Jedes Mal, wenn eine Situation sie daran erinnerte, fühlte sie sich wie damals als kleines Mädchen. Das Ganze war natürlich komplett unterbewusst. Außerdem kam noch ein innerer Konflikt dazu, weshalb das Engegefühl stärker wurde. Sie wollte nämlich eigentlich gern für sich einstehen, aber traute sich nicht aus Angst vor dem (vermeintlichen) Streit.

Als diese Dynamik klar war, haben wir daran gearbeitet und recht schnell hat sich das Engegefühl aufgelöst und Schritt für Schritt konnte sie mehr für sich einstehen, ohne sich unwohl dabei zu fühlen.

Fazit

Wenn du körperliche Beschwerden hast, dann lasse dich auf jeden Fall erstmal vom Arzt untersuchen. Das Wichtigste ist auszuschließen, dass eine organische Ursache dahinter steckt. Wenn medizinisch alles in Ordnung ist, dann ist das der Startschuss für die Suche nach seelischen Ursachen.

Du kannst dich immer wieder selbst hinterfragen: Was könnte dahinter stecken, was will mein Körper mir zeigen? Wir wollen das Symptom meistens weg haben, weil es uns beeinträchtigt, nervt oder Schmerzen verursacht. Das ist bei der Suche nach der Ursache nur leider nicht hilfreich. Deshalb versuche das Ganze positiv zu sehen und empathisch und mitfühlend mit dir selbst zu sein. Sei dankbar, dass dein Körper dir hilft und als Wegweiser zur Verfügung steht. Vielleicht bekommst du schnell Antworten, vielleicht dauert es eine Zeit, bis du Antworten bekommst. Auch wenn es dir schwerfällt, versuche geduldig zu bleiben und immer wieder Kontakt mit deinem Körper aufzunehmen.

Wenn du dir Unterstützung dabei wünschst, was hier in dem Fall wirklich sehr hilfreich sein kann, dann buche dir gerne hier einen Termin für ein unverbindliches Erkenntnis-Coaching, in dem wir deine aktuelle Situation besprechen und deine nächsten Schritte planen:

Dieser Blogartikel spiegelt meine Erfahrungen und meine Erkenntnisse wider und beruht sich ausschließlich auf das, was ich in meiner Praxis in den letzten Jahren erlebt habe. Es ist kein wissenschaftlicher Beitrag, der den Anspruch auf Vollständigkeit hat.

Wann es Sinn macht, an negativen Glaubenssätzen zu arbeiten.

Über die Autorin: Rosina Geltinger

Ich liebe es, die Wege der Seele zu ergründen. Davon bin ich schon seit vielen Jahren fasziniert. Ich finde es unglaublich spannend zu sehen, welche kreativen Wege unsere Seele findet, um uns liebevoll und manchmal auch brutal an unsere Themen heranzuführen.

Der Schlüssel zum Glück liegt immer in uns. Davon bin ich überzeugt. Je tiefer und besser wir uns selbst kennen, verstehen und annehmen, desto glücklicher und zufriedener können wir sein.

Dazu arbeite ich seit vielen Jahren mit meinen Klienten online und offline in meiner Praxis in München.

Auf meinem Blog schreibe ich zu den Themen Selbstwertgefühl, Lebensfreude und innere Ruhe.

Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie, holistische Psycho-Kinesiologin, Kursleiterin für Entspannungsverfahren. Mehr über mich erfährst du hier.

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