Ängste

Wie Ängste unser Leben steuern…

von 29. April 2016 Mai 22nd, 2018 6 Kommentare

Wie Ängste unser Leben steuern…und wie wir das Steuer wieder selbst in die Hand nehmen können…

Angst ist ursprünglich gut und wichtig.
Es ist wahrscheinlich der wichtigste Überlebensmechanismus, den wir Menschen haben.

Stell Dir vor, Du bist im Wald spazieren. Und plötzlich steht ein 250 kg schwerer, sehr hungriger Grizzly Bär vor Dir. Er bäumt sich auf, fletscht die Zähne und freut sich über den Mittagssnack, den er in Dir gefunden hat. Du hast Angst, unglaublich viel Angst. Diese Angst mobilisiert innerhalb von wenigen Sekunden sämtliche Kräfte in Dir. Intuitiv wählst Du die Überlebensstrategie wegzulaufen. Du läufst und schlägst dabei wahrscheinlich den Weltrekord im Sprint. Sogar Usain Bolt würde Dir nicht hinterherkommen. Ob Du dem hungrigen Grizzly entkommen kannst, bleibt Deiner Fantasie überlassen 😉 Aber eine Überlebenschance hast Du tatsächlich nur durch die ursprüngliche Angst, die all diese Kräfte erst hervorholt.

Man hört immer wieder unglaubliche Geschichten. Mütter, die übergroße Baumstämme alleine hochheben, um Ihr Kind zu retten. Frauen, die Männer überwältigen, obwohl das körperlich eigentlich nicht möglich ist. All diese übernatürlichen Kräfte werden erst durch die Angst freigesetzt.

Aber, im normalen Leben haben wir keine Angst mehr vor gefährlichen Raubtieren.

Unsere Ängste sind subtiler, meist auf gesellschaftlicher Ebene und auch ein wenig neurotisch. Und genau diese Ängste blockieren unser Leben. Sie sorgen dafür, dass wir uns in einem emotionalen Gefängnis bewegen. Dadurch werden wir unserer Lebensenergie und vor allen Dingen unserer Lebensfreude beraubt. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass Angst IMMER der Ursprung dafür ist, wenn es uns nicht gut geht, wenn wir uns unwohl fühlen. Und ich gehe noch einen Schritt weiter – ich glaube auch, dass Angst immer der Ursprung von psychischen Erkrankungen ist.

Wir haben Angst etwas falsch zu machen und zu versagen. Wir haben Angst, die Kontrolle zu verlieren. Wir haben Angst davor, ein Risiko einzugehen. Wir haben Existenzängste und finanzielle Ängste. Wir haben Angst nicht attraktiv genug zu sein, oder wir haben Angst davor, nicht geliebt zu werden. Wir haben Angst vor dem Alleine sein. Wir haben Angst davor, keine guten Eltern zu sein…usw. Diese Liste könnte ich seitenweise fortführen.

Nehmen wir doch mal die weitverbreitete Angst davor, etwas falsch zu machen als Beispiel. Stell Dir vor, Du hast diese grundsätzliche Angst, etwas falsch zu machen. Daher versuchst Du immer alles richtig zu machen. (Alleine beim durchlesen dieses Satzes wird schon deutlich, wie utopisch das eigentlich ist). Nimm mal die wichtigsten Bestandteile Deines Lebens: Arbeit, Familie, Freundschaften und Partnerschaft. Wie sehr würde diese Angst Dich in diesen Teilen Deines Lebens beeinflussen?

Wahrscheinlich in allen Bereichen – überall und ständig. Diese Angst macht einen ganz anderen Menschen aus Dir. Wie würdest Du handeln, reagieren und agieren, wenn Du diese Angst nicht hättest? Bestimmt anders.
Durch dieses Beispiel möchte ich die Macht der Angst und vor allem die Auswirkung auf unser Leben verdeutlichen. Und so verhält es sich mit den meisten „zivilisierten“ Ängsten.

Soweit, so gut. Doch was können wir jetzt unternehmen, damit diese Ängste nicht mehr unser Leben und unser Handeln bestimmen.

Die Antwort hört sich relativ einfach an: Entspannung!

Angst bedeutet immer Anspannung! Wenn wir ängstlich sind, sind wir angespannt. Und wir können keine Angst haben, wenn wir entspannt sind. Angst und Entspannung gleichzeitig geht nicht.

Das heißt, wenn wir dafür sorgen, dass wir so gut wie möglich und so oft wie möglich in einem entspannten Grundzustand sind, werden die Ängste automatisch weniger werden.

Menschen mit einer ausgewachsenen Angst- oder Panikstörung werden jetzt vermutlich den Kopf schütteln und sagen: So einfach geht das doch nicht. Aber es geht tatsächlich so einfach. Selbst bei schweren Angst- und Panikstörungen wird in der Therapie genau damit gearbeitet. Es wird erst viel mit Entspannungsverfahren gearbeitet, und danach stellt sich der Klient Stück für Stück seinen Ängsten – aus dem entspannten Modus heraus – und so wird die Angst „wegtrainiert“.

Klar, das ist natürlich alles ein wenig vereinfacht dargestellt. Die Realität ist komplexer. Aber, es wird immer mit dem Entspannungs-Prinzip gearbeitet.
Wenn wir es jetzt „nur“ mit kleinen Ängsten zu tun haben, können wir mit Entspannung schon sehr viel selbst erreichen. Wir können – wenn wir geübt sind – uns selbst durch Entspannung runter holen, und dadurch auch selbst die Angst überwinden.

Das ist ein sehr gutes Werkzeug, um die Ängste im Alltag zu bewältigen und uns nicht mehr von Ihnen überwältigen zu lassen.

Wer noch tiefer gehen möchte, und wissen möchte, was die Angst ausgelöst hat und wo die Ängste herkommen, dem kann ich nur wärmstens empfehlen, sich einen Fachmann/Fachfrau zu suchen. In einem gemeinsamen therapeutischen Prozess kann die Ursache der Angst geklärt und Lösungswege erarbeitet werden.

Dies in Kombination mit Entspannung eröffnet ein komplett neues Lebensgefühl!

Und nicht nur das, es steigert auch das Selbstbewusstsein…und je nachdem, wie die therapeutische Arbeit ausgelegt ist, auch das Selbstwertgefühl.

Ach ja, und bitte bewahre Dir die Angst vor den Grizzly’s – sonst hast Du nicht mehr viel von Deinem entspannten Leben 😉

Herzliche Grüße
Eure Rosina

PS.: Wenn Du Fragen oder Anregungen hast, kannst Du mich gerne per E-Mail unter mail@rosinageltinger.de kontaktieren.

Rosina Geltinger

Heilpraktikerin für Psychotherapie,
psychologischer Coach, Kursleiterin für Entspannungsverfahren

www.rosinageltinger.de
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Über die Autorin: Rosina Geltinger

Ich helfe Menschen Ihre Ängste zu überwinden, und die darin verborgenen Schätze zu bergen. Denn in allem, was uns unsere Seele zeigt, steckt eine Riesenchance – auch, oder ganz besonders in der Angst.

Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie, Kursleiterin für Entspannungsverfahren und blogge hier auf meinem Blog www.rosinageltinger.de/blog. Mehr über mich erfährst Du hier.

6 Kommentare

  • Niemann sagt:

    Hallo ich habe vor allem Angst bin in Behandlung bei einer tiefenpschychologin sie meinte ich soll Tabletten nehmen weil meine Ängste mich in jeder Position stoppen egal ob Gewitter Regen u.s.w. haben sie ein paar Tipps für mich.

    • Hallo Niemann,

      vielen Dank für Ihre Nachricht. Es ist natürlich nicht leicht für mich, ohne Hintergrundinformationen konkrete und vor allem passende Tipps auszusprechen. Aber ich gebe Ihnen gerne ein paar spontane Ideen.

      Haben Sie es schon einmal mit Entspannungsmethoden versucht, z.B. Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation oder auch Meditation? Zusätzlich ist Bewegung (in der Natur spazieren gehen) oft sehr hilfreich. Versuchen Sie auch, Stress abzubauen und Ihr Stresslevel so gering wie möglich zu halten.

      Am wichtigsten ist allerdings, dass Sie die Hintergründe und Ursachen der Angst aufarbeiten, damit diese an der Quelle geheilt wird.

      Für detaillierte Fragen können Sie mich gerne unter mail@praxis-inventio.de kontaktieren.

      Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg auf Ihrem Weg.
      Herzliche Grüße, Rosina Geltinger

  • Emmi sagt:

    Ein Freund war vor kurzem bei einer Psychotherapie. Er meinte, dass er es sich ganz anders vorgestellt hat und positiv überrascht war. Er litt unter schrecklichen Albträumen. Ich fand es gut, dass er sich endlich getraut hat.

    • Es freut mich, dass dein Freund den Schritt gemacht hat, und hoffe, dass ihm die Therapie hilft, seine Albträume zu lösen. Ja, das erlebe ich auch immer wieder, dass die Menschen positiv überrascht sind. Viele haben wohl immer noch eine „eigenartige“ Vorstellung von Therapie. Dabei ist es eine spannende Arbeit im Wohlfühlbereich – zumindest so wie ich arbeite :-).

  • Jonas sagt:

    Vielen Dank für diesen informativen und ausführlichen Beitrag zum Thema „Angst“. Es ist wichtig, dass die Angst unser ständiger Begleiter ist und an sich auf keine schlechte Sache ist, denn unsere Angst lässt uns vorsichtig durch Leben schreiten. Wenn sie uns allerdings in unseren Bewegungen und Handlungen dermaßen einschränkt und quasi unser Leben bestimmt, dann sollte man definitiv professionelle Hilfe rufen.

    • Hallo Jonas, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich stimme Dir vollkommen zu. Angst ist ein wichtiger und sinnvoller Überlebensmechanismus. Leider leiden sehr viele Menschen unter irrationalen Ängsten, die ihr Leben äußerst negativ beeinflussen. Und ja, hier ist es unbedingt ratsam, sich Hilfe zu holen. Die Lebensqualität kann dadurch um ein vielfaches gesteigert werden.

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