ErziehungSelbstwertgefühl

Woher kommt das Gefühl „falsch“ zu sein?

von 1. März 2019 4 Kommentare

Ein Gastartikel von Heinke Pfeiffer von

www.bewusstselbstsein.com

Wenn ich mit meinen Kindern auf dem Spielplatz bin, beobachte ich regelmäßig folgendes Phänomen:

Größere Kinder, die versuchen kleinere Kinder zu ärgern und ihre eigene Macht und Überlegenheit zu demonstrieren. Sie nehmen Spielsachen weg, besetzen Spielgeräte, für die sie ohnehin schon zu groß sind, schließen jüngere Kinder, die gerne mitspielen wollen aus, um sich dann an ihrer Enttäuschung und Traurigkeit zu ergötzen. Sie verhalten sich gemein und scheinen der Reaktion der Kleinen völlig emotionslos gegenüber zu stehen.

Ich bin trotzdem der Meinung, dass Kinder von Natur aus durchaus emphatisch sind und dass Rücksichtslosigkeit und Gemeinheit keine angeborenen Eigenschaften eines Kindes sind.

Woher kommt dann aber ein solches Verhalten und warum ist es so weit verbreitet?

Für mich ist einer der wichtigsten Gründe dieser:

Das Problem ist die Art, wie Erziehung gesehen und praktiziert wurde/wird.

Wir sind alle durch unsere Erziehung dermaßen geschädigt und halten es für „normal“, weil das ja überall so ist.

Es gab einen allgemeinen Konsens, dass man Kinder durch Belohnung und Bestrafung zurechtbiegen muss, schon beim Säugling hieß es „lass es schreien, das stärkt die Lungen oder du ziehst dir einen kleinen Tyrannen auf“ oder wenn du das Baby ins Bett nimmst, bekommst du es da nie mehr raus“, etc…

Das Kind muss lieb und nett sein, gut angepasst und folgsam, fleißig und nicht zu laut und zu wild, sonst hast du als Mutter in der Erziehung versagt.

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Und bei den Kindern kommt folgende Botschaft an: So wie du bist, bist du nicht richtig.

Die meisten von uns haben als Kinder erlebt, dass wir von unseren Eltern nicht „gleichwürdig“ (a la Jesper Juul) behandelt wurden. Es wurde über uns bestimmt und wir mussten uns unterordnen und anpassen. Die Gefühle, die dadurch in uns entstanden sind, durften wir in den meisten Fällen nicht zeigen, und erst recht nicht ausleben.

Wir wurden mit der Wut, dem Schmerz und der Hilflosigkeit in uns alleine gelassen. Und das Gefühl, dass wir nicht richtig sind wird dadurch noch stärker.

Also mussten wir uns einen anderen Weg suchen, mit diesen Gefühlen zurecht zu kommen.

Der einfachste Weg ist der, es erstmal zu verdrängen und bei der nächst besten Gelegenheit jemandem anderen die eigene Macht und Überlegenheit zu demonstrieren.

Denn dann ist das Gefühl nicht mehr bei uns, sondern bei der anderen Person und wir können uns stark und überlegen fühlen.

Weil diese Art der Erziehung in der Gesellschaft genau so weitergegeben wurde und bis heute wird, fragt kaum einer nach Sinn und Richtigkeit und den Konsequenzen… und diese Konsequenzen sind massenhaft emotional gestörte Menschen/Kinder, die ihre Emphatiefähigkeit komplett verloren haben.

Wir begleiten unsere Kinder nicht durch den Frust und die Enttäuschung, wenn wir ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht erfüllen (können) – es kommt uns gar nicht in den Sinn, weil wir es eben nicht so erfahren durften.

Wir lehnen unsere Kinder dann wegen ihrem Frust und der Wut ab oder beschimpfen sie sogar.

Wir können diese Gefühle nicht ertragen, weil dadurch unsere eigene Wut und Hilflosigkeit wieder hochkommt.

So wird das Spiel von Generation zu Generation weitergegeben, bis sich jemand darüber bewusst wird, wie gemein und unempathisch wir uns unseren Kindern gegenüber oft verhalten.

Ich bin davon überzeugt, wenn wir als Eltern unsere eigenen verdrängten Gefühle aufarbeiten und heilen und nicht mehr aus automatischen Verhaltensmustern und Programmen agieren, dann können wir auch unseren Kindern emphatisch und auf Augenhöhe begegnen.

Dann können wir unsere Kinder in Entscheidungen einbeziehen und sie da, wo es nicht möglich ist, in ihrem Frust, ihrem Schmerz und ihrer Wut begleiten.

Dann werden diese Gefühle in unseren Kindern nicht mehr verdrängt sein und darauf warten, bei der nächst besten Gelegenheit jemanden zu finden, bei dem man diese Gefühle ausagieren und ablassen kann.

Unsere Kinder lernen von uns, dass sie wichtig sind und ernst genommen werden und müssen sich diese Bestätigung nicht im Umgang mit anderen, schwächeren Kindern holen. Sie spüren dass sie richtig sind, genauso wie sie sind!

Es beginnt also – wie so oft – bei uns selbst und der erste Schritt ist, sich seine eigene Kindheit nicht mehr schönzureden, sondern ganz ehrlich hinzuschauen. Das ist zwar erstmal schmerzhaft, aber so heilsam!

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Dadurch, dass wir keine Empathie für unsere Gefühle erfahren haben, sondern gelernt haben „der Große/Starke hat das Recht über den Kleinen/Schwachen zu bestimmen“, machen wir es dann genau so.

Als Eltern übernehmen wir erstmal automatisch die Muster, die wir von unseren Eltern gelernt haben und geben sie 1:1 an unsere Kinder weiter – auch hier bestimmen wir einfach und gehen nicht auf Augenhöhe.

Über die Autorin: Heinke Pfeiffer

Heinke Pfeiffer ist dreifache Mama, Lebensgefährtin, Unternehmerin, spirituelle Bewusstseinstrainerin und Freigeist.

Aufgrund ihrer langjährigen spirituellen Erfahrungen und motiviert durch ihre eigene Geschichte unterstützt sie heute auch andere Mamas, die in einer Lebenskrise stecken, die tiefere Botschaft dieser Krise zu erkennen und die Ursachen, die meist in der eigenen Kindheit liegen zu heilen.

Sie vermittelt in ihren Coachings die Grundlagen und die praktische Umsetzung der universellen Gesetze, um Mamas in ihre bewusste Schöpfermacht zu begleiten.

Ihre große Vision: Das Recht auf Entfaltung des seelischen und geistigen Potenzials für alle Mamas und ein daraus resultierendes glückliches und sinnerfülltes Leben.

Und nicht verpassen: Am 11. März startet Heinke’s Challenge „Heile dein Kindheitstrauma & aktiviere deine Schöpferkraft“. Meld dich gleich kostenlos dafür an https://bewusstselbstsein.com/challenge/

4 Kommentare

  • Astrid sagt:

    Das ist eine tolle Zusammenfassung der üblichen Situation in den Familien. Zum Glück gibt es immer mehr Eltern, die aus dieser Schleife aussteigen wollen. Danke für die klaren Schilderungen. Je mehr Eltern dies jetzt erkennen, umso besser für die Gesellschaft.

  • Tanja Maier sagt:

    Ich erlebe immer wieder , in meinem Stammtisch für Depressive Frauen aus verschiedenen Psychosomatischen Kliniken, dass viele niedergemacht werden von den Müttern hauptsächlich.
    Ich rate ihnen , dass sie den Kontakt zu den Personen , die sie niedermachen distanzieren sollten. Doch manchmal kann ich gegen die Wand reden .
    Ich sage inzwischen wer aus dem HamsterRad der Glaubenssätze heraus will findet Wege, Wer nichts tut , der findet Gründe (Ausreden)

    • Ja, leider wurden sehr, sehr viele Menschen in der Kindheit und auch ganz oft noch im Erwachsenenalter „niedergemacht“ und alles andere wertschätzend behandelt. Es ist sicherlich ein Schritt der Abgrenzung sich zu distanzieren, ich glaube allerdings nicht, dass dadurch die alten Wunden wieder heilen. Es ist aber sicher eine gute Möglichkeit sich vor neuen Wunden zu schützen.

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